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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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18 Allgemeiner Teil.

er verschiedene andere Aemter im Kloster innegehabt hatte, wurdeihm zuletzt die Bibliothek anvertraut. Er fauste die ihm dadurchauferlegten Pflichten tiefer auf als alle seine Vorgänger, indem ersich zuerst die dazu nötigen Kenntnisse in rastlosem Eifer aneigneteund unermüdlich erweiterte. Zu diesem Zwecke mufste er zunächstgrofse Lücken seiner Bibliothek auf literarhistorischem und biblio-graphischem Gebiet durch Neuerwerbungen ausfüllen, brachte es aberdann durch Studium der neuerworbenen Hilfsmittel und besondersauch durch einen regen Briefwechsel mit vielen Gelehrten seiner Zeitso weit, dafs er noch als einer der ersten Bücherkenner gerühmtwurde. Zapf, der ihn von seiner Keise her auch persönlich kannte,entwirft eine ganz begeisterte Schilderung seiner Persönlichkeit. 1 )Nachdem sich so Bommer das nötige Küstzeug zu seinem Amte an-geeignet hatte, ging, er an eine gründliche Neuordnung der ganzenBibliothek; auf ihn geht jedenfalls die in den Signaturen festgehalteneEinteilung zurück. Nach der Neuordnung unternahm er eine um-fassende Neuaufzeichnung des ganzen Bestandes und begann mit denHandschriften und Inkunabeln. Diese seine Arbeiten, sowie seinegeschichtliche Darstellung sind ja schon eingangs erwähnt. 2 ) Mittenaus dieser umfassenden Tätigkeit wurde Bommer im besten Alter imJahre 1785 durch einen Schlaganfall herausgerissen. Doch wurdedas von ihm begonnene Werk der Katalogisierung von seinen Nach-folgern Basilius Locher und Jfupertus Dick weitergeführt und ab-geschlossen, wobei der Abschlufs einiger Bände des grofsen Katalogsganz nahe an das Ende der Weingartncr Bibliothek heranführte. 3 )Hand in Hand mit dieser Katalogisierung ging jedenfalls auch dieVerzeichnung der verschiedenen Stücke der einzelnen Handschriftenauf vorn in die Handschriften eingeklebten Zetteln, die meist diegleiche Schrift zeigen, wie der grofse Katalog selbst. Neben seinenArbeiten an der Bibliothek hatte Bommer auch sonst am geistigenLeben des Klosters regen Anteil, indem er z. B. jährlich für die Festeeinige dramatische Stücke dichtete; besonders aber war er zugleichein treuer Mitarbeiter an den Werken des Weingartner Geschicht-schreibers Gerhard Hei's, der auch einige Handschriften des KlostersinMonumentorum Guelhcorum pars historica" veröffentlichte. BommersMitarbeit wird jedenfalls in den aus den Handschriften entnommenenBeiträgen zur Geschichte der Bibliothek zu sehen sein.

Es war von Vorteil für das Ansehen der Weingartner Bibliothek,dafs gerade ein solch tüchtiger Bibliothekar an ihrer Spitze stand,als sie von verschiedenen Gelehrten besucht wurde; die zweite Hälftedes 18. Jahrhunderts war ja die klassische Zeit der Bibliothek-reisen. Zwar war schon ein Jahrhundert früher, im Jahre 1683, der

1) Besonders in der Neuen Ausgabe der Litterarischen Reisen, Augs-burg 1796.

2) Vgl. aufserdem Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 27, 1910,S. 141 ff.

3) Vgl. Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jahrgang 27, 1910, S. 141 ff.