Zur Geschichte der Ilandschriftensanimlung. 15
doch eine Zeitlang die Mönche ihr Kloster ganz im Stiche lassen undsich nach Feldkirch flüchten. Und um die Bibliothek vor den Fähr-nissen dieses Krieges zu sichern, der ja mancher anderen Sammlungso verhängnisvoll geworden ist, wurden die Bücher in der Erde ver-graben. Als im Jahre 1637 der Kriegssturm sich etwas gelegt zuhaben schien, grub man die Bibliothek wieder aus, damit sie in ihremVersteck nicht zugrunde ginge.
Unter Dietrichs Nachfolger, Dominions Laymann, dem 33. Abte(1637—1673), dauerte zunächst die Not des 30jährigen Krieges,deren Ende man gekommen geglaubt hatte, noch weiter an; der Abtmufste ja in seiner eigenen Person die AVeehselfälle der Kriegszeitenerfahren. Auch der Bibliothek drohte wieder neue Gefahr. AlsFebruar 1638 Prinz Weimar in die Gegend von Weingarten gekommenwar, handelte es sich um die Wegschaffung der Bibliothek. Bei diesemAnlafs wurde eine genaue Zählung ihres Bestandes vorgenommen unddabei folgende Zahlen festgestellt 1 ): In der Klasse der Spirituales82 Handschriften, in derjenigen der Canonistae 25, aufserdem noch408, also 515 Handschriften bei einer Gesamtzahl von 10245 Bändender Bibliothek, gezählt nach Buchbinderbänden. Dabei wird aus-drücklich erwähnt, dafs eine grofse Anzahl von Werken schon weg-geschafft war, und dies besonders auch von den Handschriften hervor-gehoben. Aufserdem war nicht gezählt, was sich gerade in den Händender Benutzer, besonders des Abtes befand, und endlich war ausgeschaltetdie auch Weingarten gehörende Bibliothek in Feldkirch.
Die Gefahr vom Jahre 1638 scheint an der Bibliothek vorüber-gegangen zu sein, und weiterhin hören wir dann nichts mehr vonähnlichen Vorfällen des Krieges. Dafür durfte man bald nach seinemAbschlufs im Kloster wieder eine schöne Bereicherung der Samm-lungen erleben* durch eine wertvolle Stiftung. Im Jahre 1654 kamnach Weingarten der Kaiserliche Rat Johann Ochsenbach, der Sohndes bekannten Tübinger Schlofshauptmanns Nicolaus Ochsenbach. Erhatte in seinem Leben grofse Beisen gemacht und viele hervorragendeZeitgenossen kennen gelernt. Gegen Ende seines Lebens war er vonder evangelischen zur katholischen Konfession übergetreten und wolltenun in Weingarten seinen Lebensabend verbringen. Er starb imKloster 1658, nachdem er all sein Hab und Gut der Abtei vermachthatte. 2 ) Das war eine grofse Sammlung 3 ) von allen möglichen kost-baren und seltenen Dingen, zu welcher schon von seinem Vater derGrundstock gelegt worden war, und die er auf seinen Reisen rastlosvermehrt hatte. Darunter war auch eine wertvolle Bibliothek 4 ) mit
• 1) Hefs, a. a. 0., S. 476.
2) Hefs, a. a. 0., S. 485.
8) Vgl. Zeitschrift für Bücherfreunde, Jahrg. 4, S. (19 ff.
4) Ein handschriftlicher Katalog über eine Auswahl aus dieser Bibliothek,v erfal'st 1659 von P. Gregorius [wahrscheinlich P. Gregor Knauls, f 1662] wurdev °n Antiquar Kosenthal-München im 10. Band seiner bibliotheca catholico-theologica (Kat. Nr 60, S. 289) angeboten.