Zur Geschichte der Handschriftensammlung. 13
Und auch Konstanz verdanken wohl nicht alle ihre Entstehung, sonderndie Spuren der ältesten könnten nach andern Kultursitzen der Bodensee-gegend, Reichenau und St. Gallen, bezw. auch darüber hinaus nachItalien weisen.
Die Konstanzer Dombibliothek mufste im Winter 1628/29 ihrenalten Platz räumen und sich nach einem neuen umsehen, *) Da sichschon seit langen Jahren kein Mensch mehr um sie gekümmert hatte,war sie nicht im besten Zustand; die Bücher waren „abgangen, ver-legen und nit mehr zu brauchen". Und da man andererseits mehrWert darauf legte, eine Zechstube frei zu bekommen, als Baum fürdie Bibliothek zu schaffen, beschlofs ein hochwürdiges Domkapiteldie unnötigen Bücher zu verkaufen, da sie ja „nicht mehr zu ge-brauchen seien". Des Anstands halber wollte man einige auswählen,die etwas „Denkwürdiges" in sich hielten. Man fühlte freilich, einsolcher Verkauf würde gerade nicht als Buhmestat des Domkapitelsangesehen werden und wollte deshalb nicht den nächsten Besten alsKäufer annehmen. „Wann aber ein Gotteshaus annähme und dagegender Kirche andere Ergötzlichkeit täte, möchte es verantwortlich sein".Glücklicherweise hatte die benachbarte Abtei Weingarten eine andereMeinung vom Wert alter Bücher und machte ein Kaufangebot, dasfrohen Herzens angenommen wurde. Um 300 fl. erwarb so Wein-garten im Juni 1630 die alte Konstanzer Dombibliothek! Nur etwa20, „so ein nothurfft und wolstandt beim stüfft aufzuhalten", solltenin Konstanz bleiben. Diese gröfste Bereicherung, welche die Wein-gartner Sammlung überhaupt erlebte, ist auch in den Berichten überdie Tätigkeit des Abtes Dietrich ausdrücklich erwähnt; Hefs sagtdarüber 2 ): Tandem silere hie nee licet nee übet, quod Bibliothecamnostram hie Abbas insigniter dotavit. Ut de aliis, quos suorum usucomparavit^ taceam, hoc unum dicam, sagacissimum virum uno mercatusupra nongentos libros coemisse, inter quos 339 erant MScta et quidem150 in pergamena, alii chartacei: reliqui impressi. Eine Ergänzungdazu bieten Akten der Weingartner Finanzverwaltung aus jener Zeit,die im Staafslilialarchiv Ludwigsburg aufbewahrt werden. Hier ist indem Rechenschaftsbericht über die Verwendung der seit Wegelin fest-gesetzten Summe von 1000 fl. folgende Anmerkung beim Jahre 1630:NB: Anno 1630 in Junio a Capitulo Cathedrali Constantiensi perve-tustam Bibliothecam nongentorum et Septem librorum, qua manu, quatypis descriptorum trecentis florenis emptam esse, quam emptionem,utpote extraordinariam, sie separatim adnotandam opera duximus.
Ms in Pergameno erant 159
„ in carta 172
Impressorum 577.
1) Vgl. II. Baiers Mitteilung aus den Konstanzer Protokollen in der Zeit-schrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 63 |N.F. Bd24], 11)09, S. lS2f.
2) a. a. 0., S. 474.