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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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12 Allgemeiner Teil.

Freilich konnte der Wert dieser Schenkung damals nicht erkanntwerden. Ebenfalls aus Konstanz erhielt das Kloster einige Jahrespäter eine schöne Tcrenzhandschrift (K 49*)-

Nach Wegelins erfreulichem Vorgang wurde auch von seinemNachfolger, dem 32. Abte, Franz Dietrich (16271637), der Kloster-bibliothek besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Zunächst wurde gleichin der ersten Zeit der Amtsführung des neuen Abtes eine vollständigeAufnahme sämtlicher Bestände vorgenommen und überall ein Eigcntums-vermerk des Klosters eingeschrieben in der Form des Eintrags: Mo-nasterii Weingartensis 1628. Einträge, welche einzelne Hand-schriften als Weingartner Besitz kennzeichnen sollen, finden sich schonaus viel früheren Zeiten, hauptsächlich aus dem 14. Jahrhundert, meistin der Form von: liber saneti martini in wingarten. Und gerade derUmstand, dafs dieselben Handschriften fast alle wieder den EintragMonasterii Weingartensis 1628 erhielten, beweist den Charakter diesesEintrags als einer Inventarisierungsnotiz. J ) In ganz vereinzelten Aus-nahmen scheinen Handschriften auch schon früher inventarisiert wordenzu sein, so tragen C 4 und C 6 Inventarisierungseinträge noch ausder Zeit Wegelins. Sonst sind in den Jahreszahlen, die meist aufdem ersten Blatt der Handschriften eingetragen sind, besonders von1628 an aber auch schon früher, vgl. A 15, 24 u. a., für ge-wöhnlich die Jahre zu sehen, in welchen eine Handschrift der Wein-gartner Bibliothek einverleibt wurde. Natürlich ist es im einzelnenFall nicht ausgeschlossen, dafs auch mit einer solchen Jahreszahleinmal das Inventarisieiungsjahr gemeint ist; darauf könnte z. B. hin-weisen, dafs bei D 4 aus der grofsen, gleich zu besprechenden Gruppemit dem Eintrag 1630, am Schlufs die Bemerkung sich findet: extathie über in bibliotheca Weingarten anno 1630. Ebensowenig ist esausgeschlossen, dafs auch von den Handschriften mit dem Eintrag1628 die eine oder andere in diesem Jahr vom Kloster erst erworbenwurde, wie auch verschiedene Stücke, z. B. F 13, H 30, 46, mit diesemEintrag auch nach Konstanz, also zur Gruppe von 1630 weisen.

Die eben erwähnte Gruppe mit dem Eintrag 1630, unter welchersich besonders viele alte Codices und sogar Bruchstücke von zweiHandschriften aus dem 5. und 6. JahrhundertWeingartner Italä-fragmente" befinden, hat der Paläographie und llandschriften-forschung schon mancherlei Rätsel aufgegeben. Von neuen Gesichts-punkten aus wies Traube wieder auf die Frage hin, wie die Biblio-thek eines Klosters ans dem 11. Jahrhundert solch alte Stücke in sogrofser Anzahl unter seinen Ilandsch.iiften bergen konnte. Nun hatneuerdings Paul Eehmann dies Bätsei gelöst, indem er nachwies, 2 ) dafsdiese Handschriften nicht alter Weingartner Besitz waren, sondernaus der Bibliothek des Domkapitels von Konstanz stammten.

1) Vgl. auch Zentralblatt für Bibliothekswesen, Jahrg. 27, 1910, S. 439.

2) Sitzungsberichte der K. Bayerischen Akademie der Wissenschaften.Philos.-philol. und hist. Klasse, Jahrg. 1908, Abt. 4.