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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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Zur Geschichte der Handschriftensammlung. 5

künde') über eine grofse Schenkung an das Kloster von HerzogWeif IV. und seiner Gemahlin Judith aus Flandern, die in ersterEhe in England verheiratet gewesen war. Da sind unter anderenSchätzen aufgeführt: tria plenaria cum uno textu ewangelii. DerHistoriker Gercken, der um 1780 Weingarten besuchte, erwähnt 2 )unter den Klosterschätzen einen codex evangeliorum und ein plenarinmmit wertvollen Deckeln aus dieser Schenkung. Nach Angaben desStuttgarter Katalogs der früheren Hofhandschriften sah man die zweiWeingartner Handschriften II, 40 und II, 42 welch letztere übrigensaus der Hofbibliotkek in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhundertsabgegeben wurde und seither verschwunden ist als zwei von diesenWelfenhandsehriften an. Aber II, 40 trägt noch heute die alte Wein-gartner Signatur A 21, war also in Weingarten in die Bibliothek ein-gereiht, während Gerekens Angabe beweist, dafs die Weifenhandschriftenmit den Klosterschätzen aufbewahrt wurden, was aucli durch Hessbestätigt wird. 3) Die Annahme des Stuttgarter Katalogs kann alsonicht aufrecht erhalten werden. Nun haben Haseloffs kunstgeschicht-liche Studien über die Weingartner Manuskripte 4 ) Licht in die Frageder Judithhandschriften gebracht. Haseloff entdeckte zwei der ver-schollenen Stücke in zwei Prachthandschriften der Bibliothek des LordLeicester in Holkham Hall und die dritte in der Fuldaer HandschriftAa 21 selbst. Er stellte die zwei ersten als Erzeugnisse angelsäch-sischer Malerei und die dritte als eines der Hauptwerke einer nieder-ländischen Schule fest und brachte so diesen Teil der Weifenschenkungin engere Beziehung zu Judith. Die besondere Bedeutung dieser Hand-schriften für die Weingartner Bibliothek sieht der Kunsthistorikerdarin, dafs sie später als Vorlagen von Einrlufs auf die WeingartnerMalerschule gewesen sind. Ihre Prachteinbände bekamen diese Jnditli-handschriften aber wohl erst im Kloster selbst (vgl. Abschnitt überdie Einbände),

Solcher Schenkungen, auch aus der ersten Zeit des Klosters, werdenwohl noch manche anzunehmen sein, und die eine oder andere davonwird auch auf die Weifen zurückgehen. Sind doch unter den be-sonderen Gaben an die Kirche, mit denen im Mittelalter der Frommefürs Heil seiner Seele zu sorgen gedachte, Evangelienbücher, Missalen. dgl. häufig anzutreffen; und an Ergebenheitsbeweisen der Kirchegegenüber taten es die Weifen den andern gern zuvor. Jedenfallssind unter den im Jahre 1628 inventarisierten Handschriften, welche,besonders in der Gruppe mit einem Eintrag wie über saneti martiniin wingarten, die ältesten Bestände der Weingartner Bibliothek dar-stellen, mehrere, die weit älter sind als das Kloster, und deren Schrift-heimat fernab von Weingarten liegt. Doch verraten die Handschriften

1) Abgedruckt in Hefs, Monnmentorum Guelficornm pars historica,p. 153 seq. und im Wirtemberg. Urkundenbuch, 1, S. 300 ff.

2) Gercken, Reisen durch Schwaben, Baiern ... 17791782 ..., 1, 1783, S. 119.

3) Ilcfs, a. a. O., S. 65, Anm. i.

4) Deutsche Literaturzeitimg, Jahrg. 26, 1905, S. 1998 ff.