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Die Handschriften des Klosters Weingarten
Entstehung
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4 Allgemeiner Teil.

Fähigkeiten und Kenntnissen und vor allem auch im Ilinhlick aufreiches Urkundenmaterial, das ihm noch zur Verfügung stand, seitheraber wohl zum grofsen Teil verschwunden sein wird, hätte uns sicherlichseine Darstellung ganz besonders wertvolle Aufschlüsse über Werdenund Wachsen der Weingartner Bibliothek geboten.

So ist der Versuch, einen Ueberblick über die Geschichte dieserHandschriftensammlung zu geben, auf die in der Literatur über Wein-garten versteckten Mitteilungen angewiesen, oder auf Angaben undAndeutungen, welche die Handschriften selbst enthalten und welchemeist auch die Grundlage dieser Mitteilungen sind. Die vornehmlichsteQuelle erstem- Art bietet der Geschichtsehreiber seines Klosters,P. Gerhard Hess, in seinem auf Weingartner Aufzeichnungen beruhendenWerk Prodromus monumentorum Guelficorum seu catalogus abbatumimperialis monasterii Weingartcnsis . . ., Augustae Vindelicorum 1781.Die hauptsächlichste Ergänzung dazu, aus Kotelnsammlungen undPersonalnotizcn, gibt der Salzburger Benediktiner P. Pirmin Lindnerin seinem Profefsbuch von Weingarten (= fünf Profefsbücher süd-deutscher Benediktiner-Abteien, IL, Weingarten. 1909).

Die Geschichte des Klosters Weingarten geht nicht über die Mittedes 11. Jahrhunderts zurück: im Jahre 1053 räumte Weif 111. seineBurg auf dem Martinsberg einer Benediktinerniederlassung von Altdorfbei Kavensburg als Kloster ein, das dann den Namen Weingarten er-hielt. Die Benediktiner waren obdachlos geworden, da ihr AltdorferKloster am Fufs des Martinsberges, das sie nur einige Jahre inne-gehabt hatten, abgebrannt war. Dieses Kloster selbst, vorher einNonnenkloster, war ihnen auch von den Weifen angwiesen worden,die sie hierher von Altomünster in Bayern versetzt hatten, woraufAltomünster den Altdorfer Nonnen übergeben worden war. Und nachAltomünster waren die Benediktiner ums Jahr 1000 vom Kloster imScherenwalde bei Unterammergau gekommen, welch letzteres Klosterebenfalls wieder auf die Weifen zurückgehen soll.')

Dafs die Weingartner Bibliothek Handschriften enthielte, die aufdiese früheren Sitze, vor allem etwa Altomünster, zurückgingen, istnicht nachzuweisen; die Manuskripte selbst bieten keinerlei Anhalts-punkte dafür. Allerdings enthält die Sammlung sehr viele Stücke,deren Alter weit über das Gründungsjahr von Weingarten zurückgeht.Aber der gröfste Teil davon sind spätere Erwerbungen, besondersdurch den Ankauf der Bibliothek des Konstanzer Domkapitels, undviele sind Schenkungen von Gönnern, unter denen die mächtige undreiche Gründerfamilie obenan steht.

Es ist eine eigenartige Fügung, dafs die älteste urkundliche Er-wähnung von Weingartner Handschriften sich auch auf das Geschlechtbezieht, welchem das Kloster selbst seine Entstehung verdankt. Inder aus Weingarten stammenden Fuldaer Handschrift Aa 21, diefür die Klostergeschichte wichtige Einträge enthält, ist eine Ur-

1) Vgl. Lindner, a.a.O., S.V.