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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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VII. Psychische Schwächczuständc.

unentwickelt auf Kosten der niedrig egoistischen Regungen,die das Gemüthsleben des Kranken in maassgebender Weisebeeinflussen. Die Stimmung entbehrt daher jenes innerenGleichgewichtes, wie es durch die Ausbildung der höherenGefühle begründet wird; die Gemüthlosigkeit des Krankenwird gelegentlich durch Affektausbrüche von brutaler Hef-tigkeit durchbrochen. Diese eigenthümliche Charakter-anlage macht die Kranken auf der einen Seite energielos,unselbständig in ihrem Handeln, und sie befähigt dieselbenandererseits unter Umständen zu impulsiven Gewaltaktenvon bestialischer Grausamkeit aus geringfügigen Motiven.Sehr häufig verbindet sich hei ihrem Thun eine gewisseSchlauheit im Einzelnen mit Unsinnigkeit und Kopflosigkeitim ganzen Plane und in der Ausführung.

Die Erkennung dieser Zustände bietet in den ausge-bildeteren Formen nicht die mindesten Schwierigkeiten.Es sind das die Kinder, die vielleicht erst sehr spätsprechen lernen und entweder gar nicht in die Schule ge-schickt werden können, oder doch trotz aller angewandtenMühe nicht vorwärts kommen, weil sie zwar unter vielenSchwierigkeiten Einzelnes mechanisch auswendig zu lernen,aber nichts selbständig zu verarbeiten im Stande sind. Sehrgewöhnlich bleiben dieselben auch körperlich unentwickeltund auf der Stufe des kindlichen Habitus bis in das dritteJahrzehnt hinein stehen. Bisweilen finden sich auch ein-zelne nervöse Anomalien, schiefes Gesicht, plumpe Züge,Strabismus, schlechtes Gehör, die auf eine greifbare Grund-lage der ganzen Störung hinweiseu. Im späteren Lehensind die Kranken meist unfähig zu irgend einer frucht-baren Beschäftigung und nur zu den allereinfachsten mecha-nischen Verrichtungen zu gebrauchen, die sie mit pedan-tischer Zuverlässigkeit ausführen; in einzelnen Fällen wirdaber auch eine hervorragende einseitige Virtuosität, tech-nische Fertigkeit, Anlage zur Musik, zum Zeichnen, be-obachtet, allerdings stets ohne die Fähigkeit zu tieferergeistigerer Arbeit seihst auf diesen Gebieten.

Leichtere Formen der Idiotie, wie sie dem klinischenBegriffe desSchwachsinnes entsprechen, sind oftmalsüberaus schwer zu diagnosticiren. Bisweilen sind auch hier