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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
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V. Primäre Verrücktheit.*)

Als Verrücktheit bezeichnet man eine dauernde,tief greifen de Umwandlung der psychischen Per-sönlichkeit, die sich hauptsächlich in einer krankhaftenAuffassung und Verarbeitung der äusseren und innerenEindrücke kundgiebt. Dauernd ist diese Veränderung inder Regel deshalb, weil sie nicht in vergänglichen Affekten,nicht in einem vorübergehenden Processe, sondern in einemabnormen Zustande des gesammten psychophysischen Or-ganismus ihre Wurzel hat. Die Helligkeit des Bewusst-seins ist ungetrübt, die Besonnenheit vollkommen erhalten,aber das Erfahrungsmaterial wird durch die mannigfachstensubjektiven Elemente verfälscht und zu einer krankhaft ver-schobenen,verrückten Anschauung von der Umgebungund der eigenen Persönlichkeit verarbeitet. Man hat sichdaher gewöhnt, als das charakteristische Symptom der Ver-rücktheit die fixe, von dem Kranken dauernd festgehalteneWahnidee oder noch besser ein ganzes System solcherWahnideen anzusehen. Die Verfälschung der Wahrneh-mung und des Bewusstseinsinhaltes als solche ist eineüberaus häufige psychopathische Erscheinung; was die Ver-rücktheit kennzeichnet, ist der Umstand, dass diese Ver-fälschungen nicht korrigirt werden, obgleich das Bewusstseinklar und die intellektuelle Arbeit nicht durch überwältigendeGefühle und Affekte gestört ist. Die Krankheit hat somit

*) Snell, Allgem. Zeitschr. für Psychiatrie XXII, p. 368;Griesinger, Archiv für Psychiatrie I, p. 148; Sander, ibid.p. 387; Westphal, Allgem. Zeitschr. für Psychiatrie XXXIV,p. 252; Mercklin, Studien über die primäre Verrücktheit, 1879.