Die spezielle Pathologie und Therapie desIrreseins.
Die Klassifikation der Psychosen.
Die nächste Aufgabe einer speziellen Pathologie derGeistesstörungen bildet die Definirung und Umgrenzungeinzelner Kranklieitsformen. In vollkommener Weisewürde diese Aufgabe gelöst sein, wenn einerseits die Ano-malien in dem Ablaufe der physiologischen Vorgänge unserernervösen Centralorgane, andererseits die mit ihnen zusammen-hängenden psychischen Funktionsstörungen genau bekanntwären. Wir wären alsdann im Stande, aus den psychi-schen Symptomen auf die pathologischen körperlichenGrundlagen derselben, sowie weiterhin auf die Ursachendes ganzen Kranklieitsprocesses zurückzuschliessen und um-gekehrt. Bei der Unvollkommenheit unserer Kenntniss vonden feineren Vorgängen im Gehirn, wie von dem innerenZusammenhänge zwischen physiologischen und psychischenErscheinungen kann es nicht Wunder nehmen, dass wir\on einer tieferen Einsicht in die Mechanik der Geistes-krankheiten noch weit entfernt sind und deshalb bei derGruppirung der Krankheitsformen uns bisher nicht sowolvon eigentlich pathologischen Gesichtspunkten, als vielmehrmeist von empirisch naheliegenden, nichts weniger als ein-heitlichen Prinzipien leiten lassen müssen. Es geht dabeider Psychiatrie im Ganzen gar nicht so viel schlimmer, alsder sonstigen Medicin oder gar der Neuropathologie; auchdort sehen wir einstweilen anatomisch, ätiologisch und