IV. Periodische Geistesstörungen.*)
Die kleine Gruppe von Psychosen, die man als perio-dische zu bezeichnen pflegt, führt ihren Namen insofernmit Unrecht, als es sich hei derselben nicht sowol umwiederholte Neuerkrankungen, sondern vielmehr um das pe-riodische Auftreten bestimmter krankhafter Sym-ptomenkomplexe auf einer auch in der Zwischen-zeit nicht normalen Grundlage handelt. DieseEigenthiimlichkeit ist es, welche dieselben von den einfachenRecidiven abgrenzt, die das Individuum nach vollständigerGenesung befallen. Bei den periodischen Psychosen ist daswesentlich Pathologische nicht der einzelne Anfall der Störung,'sondern die ganze eigenartige Veränderung der psychischenund physischen Persönlichkeit, aus welcher das klinischeKrankheitsbild sich immer von Neuem herausentwickelt. Siesind daher auch scharf zu trennen von jenen vielfach reci-divirenden Formen des Irreseins, die ebenfalls auf Grundeiner Prädisposition durch häufig wiederkehrende Gelegen-heitsursachen stets frisch erzeugt werden, wie etwa diealkoholischen Aufregungszustände. Hier ist die Periodicitätrein äusserlich bedingt; Entfernung aller Schädlichkeitenverhindert mit Sicherheit den Rückfall in die Geistesstörung— dort indessen liegen alle Entstehungsbedingungen imOrganismus selbst, wie diejenigen der epileptischen Anfälle;es bedarf keiner äusseren Anlässe mehr, um die mit un-fehlbarer Gewalt hereinbrechenden Krankheitsparoxysmenerst auszulösen. Daher die grosse Aehnlichkeit der einzelnen
*) Kirn, die periodischen Psychosen, 1878.