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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
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I. Depressionszustände.

Als erste klinische Gruppe von Psychosen können wirdie Depressionszustiinde bezeichnen. Den gemeinsamenGrundzug derselben bildet die Beherrschung des Stim-mungshintergrundes durch das Unlustgefühl despsychischen Schmerzes, der seinen Einfluss sowol aufdas Vorstellungsleben, wie auf das Gebiet des Handelnsgeltend macht. In der Regel kommt es nicht zur Ent-wicklung von Affekten mit heftigeren psychomotorischenReaktionen, sondern es bleibt bei jener Gebundenheit undBehinderung aller psychischen Vorgänge, welche schon dienormaleVerstimmung zu cliarakterisiren pflegt. Die hier-her gehörigen Krankheitsbilder tragen den gemeinschaft-lichen Namen der Melancholie.*)

A. Melancholia simplex.

Die einfachsten Formen der psychischen Depression(Melancholia simplex) gehen ohne scharfe Grenze in dieZustände der inneren Unzufriedenheit und üblen Laune über,die man häufig genug ohne irgend ein oder doch ohnegenügendes Motiv namentlich bei nervösen, geistig zu sehrangestrengten Menschen beobachtet. In seiner krankhaftenAusbildung gewinnt das Gefühl des Unbefriedigtseins, desUnbehagens, der allgemeinen Misere eine solche Stärke,dass es die Stimmung dauernd beherrscht und jede freiere,

*) v. Krafft-Ebing, die Melancholie, 1874.