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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
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VII. Psychische Schwächezustände.

Psychische Schwächezustände nennen wir diejenigenFormen des Irreseins, deren Krankheitsbild sich wesentlichaus den Erscheinungen einer Herabsetzung der psychi-schen Leistlings- und Widerstandsfähigkeit*) zu-sammensetzt. Zu Grunde liegt ihnen eine Invaliditätdes Gehirns, die sich entweder primär oder als dasResultat iiberstandener Psychosen entwickelt hat.Die Mannigfaltigkeit der hierhergehörigen klinischen For-men ist eine so ausserordentlich grosse, dass eine irgendwieerschöpfende Darstellung derselben, namentlich jetzt, wouns noch vielfach die leitenden Gesichtspunkte fehlen, gänz-lich unmöglich erscheint. Wir müssen uns daher damikbegnügen, gewisse Hauptgruppen in ihren gröbsten Umrissenzu skizziren.

A. Entwicklungsanomalien.

Die schwersten Beeinträchtigungen der psychischenFunktionen haben wir dort zu erwarten, wo irgend eineeingreifende Schädlichkeit, anomale Entwicklungsvorgängeoder Krankheitsprocesse, das Gehirn trifft, bevor es seineAusbildung erreicht hat. Während das voll entwickelteCentralorgan doch noch die Spuren seiner früheren Thätig-keit lange Zeit hindurch aufbewahrt, wenn es auch zuneuen Leistungen unfähig wird, hat der Stillstand oder

*' Kraepelin, Archiv f. Psychiatrie XIII, 2.