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Pathologische Anatomie. 381
zwei Formen der Erkrankung, nämlich chronische Myelitisder Hinterseitenstränge mit reichlicher Bildung von Körn-chenzellen, dann aber graue Degeneration der Hinterstränge,die sich im Halsmark bisweilen nur auf die Goll’schenStränge beschränkt. Vereinzelt finden sich auch noch eineKeihe weiterer Veränderungen, zerstreute sklerotische Herde,diffuse Myelitis u. s. f. Meist sind diese Rückenmarksaffek-tionen, die sich bei der Mehrzahl aller Paralytiker nacli-weisen lassen, als sekundäre oder durch die gemeinsameKrankheitsursache erzeugte Erscheinungen aufzufassen. Esgiebt aber auch Fälle, in denen der Krankheitsprocesszunächst das Rückenmark zu ergreifen und von da zumGehirn aufzusteigen scheint (ascen dir ende Form derParalyse). Die Symptome der Spinalaffektion bestehen hieröfters Jahre lang vor dem Eintritte der charakteristischenpsychischen Störung. Der ganze Verlauf ist regelmässigein sehr langsamer. Meist handelt es sich um successivesErgriffenwerden der einzelnen Abschnitte des centralenNervensystems durch die gemeinsame Krankheitsursache;bisweilen mag auch eine einfache Komplikation zweier Er-krankungen vorliegen.
Die Dementia paralytica ist eine sehr häufige Krank-heit; im Durchschnitte gehören etwa 10—12 °j 0 aller Auf-nahmen in Irrenanstalten ihr an, doch ist dieses Verhältnissausserordentlichen Schwankungen unterworfen. Wie esscheint, ist die Häufigkeit der Paralyse in stetiger Zunahmebegriffen. Von den beiden Geschlechtern ist das männlicheungefähr 4—7 mal so stark unter den Erkrankten vertreten,als das weibliche; bei Frauen höherer Stände ist die Krank-heit überaus selten. Unter den Altersklassen überwiegendiejenigen zwischen dem 35.—40. (30.—45.) Lebensjahre;auch das Klimakterium scheint von Einfluss zu sein. Inden ersten beiden Decennien kommt die Paralyse kaumjemals, im dritten noch immer recht selten vor. LedigePersonen scheinen mehr djsponirt zu sein, als Verheirathete.Grosse Städte liefern einen sehr bedeutend höheren Prozent-satz von Paralytikern, als die Landbevölkerung. Unter denBerufsarten sind Offiziere, Kaufleute, Feuerarbeiter, Eisen-bahnbeamte relativ zahlreich vertreten. Der Einfluss der