Die periodische Melancholie; das cirkuläre Irresein. 279
scher und melancholischer Zustände aufzufassen, diebald ohne Unterbrechung einander folgen, bald durch rela-tiv freie Zwischenzeiten von einander getrennt sind. Ge-wöhnlich bilden dabei eine depressive und eine exaltirtePeriode zusammen einen durch Remissionen abgegrenztenAnfall; seltener ist die umgekehrte Reihenfolge, sowie dieEinschiebung eines Intervalles zwischen jene beiden Phasendes Paroxysmus.
Den cirkulären Geistesstörungen ist noch mehr, als derperiodischen Manie, die verhältnissmässig geringe Störungder Intelligenz eigenthünilich, welche diese hartnäckigenund zweifellos ganz tief in der Konstitution des Erkranktenwurzelnden Psychosen symptomatisch fast durchweg denleichteren Formen der maniakalischen und melancholischenZustände anreiht. Sicherlich verlaufen zahlreiche cirkuläreGeistesstörungen als einfache „Verstimmungen“, „Launen“,„berechtigte Eigenthümlichkeiten“ im gewöhnlichen Leben,ohne erkannt zu werden, ja sie gehen schliesslich ohnescharfe Grenze in die Breite jener normalen Schwankungendes gemütklichen Gleichgewichtes über, die so oft beinervösen Menschen schon eine gewisse Regelmässigkeitin der Aufeinanderfolge, eine auffallende Unmotivirtheitund Unabhängigkeit von äusseren Anlässen darzubietenpflegen.
Den Beginn des Anfalls bildet in der Regel einmelancholischer Zustand, der bald plötzlich einsetzt,bald aber auch sich ganz allmählich entwickelt. Amhäufigsten ist eine einfache gemüthliche Depression, stillesgedrücktes Wesen, bisweilen mit bangen Befürchtungenoder einzelnen vagen Versündigungsideen, aber fast immerohne ausgebildetes Wahnsystem oder Sinnestäuschungen.Selbstmordneigung tritt hie und da, aber nicht gerade sehrhäufig und besonders intensiv hervor. In seltenen schwerenFällen kann sich die psychische Hemmung bis zu stupo-rösen Zuständen steigern. Die Auffassung der Aussenweltist jedoch meist nicht erheblich getrübt, nur im Sinne dermelancholischen Verstimmung beeinflusst. Die körper-lichen Begleiterscheinungen sind vollkommen die-jenigen einer einfachen Melancholie.