272 IV. Periodische Geistesstörungen.
stürzen und maasslose Excesse verschiedenster Art zu be-gehen. Seine Berufsgeschäfte, die Sorge für seine Familiewerden dabei vergessen und vernachlässigt; dagegen tretendie Bedürfnisse und Wünsche der eigenen Person ganz undvoll in den Vordergrund des Interesses. Ueberall suchtder Kranke sich aufzuspielen und vorzudrängen, absonder-liche Handlungen zu begehen, sich selbst und seine Lei-stungen in ein möglichst gutes Licht zu stellen, wobei eroft die albernsten Benommagen und handgreifliche Unwahr-heiten nicht scheut. Die ganze Umgebung ist nur für ihnda; er kommandirt über dieselbe nach seinem Belieben,wird rücksichtslos und brutal, wo er mit seinen ungezügeltenNeigungen und Begierden auf Widerstand stösst.
Es begegnen uns somit in diesem Krankheitsbilde allewesentlichen Züge der einfachen Manie wieder, so dass wirbezüglich der Entwicklung im Einzelnen auf die frühereSchilderung dieser letzteren zurückverweisen können. Nurein Punkt ist es, den ich noch kurz erwähnen möchte.Namentlich für die bis hierher ins Auge gefassten leichterenFormen der periodischen Manie darf es nämlich fast alscharakteristisch gelten, dass die Apperceptionsstörungen hiergegenüber denjenigen des affektiven Lehens und des Han-delns mehr in den Hintergrund treten. Die Kranken zeigenregelmässig trotz ihres unsinnigen Benehmens und ihrermotorischen Erregung eine auffallende Besonnenheit;sie sind leicht zu fixiren, geben treffende Antworten undwissen ihre krankhaften Handlungen sogar vielfach miteiner ausserordentlichen dialektischen Gewandtheit zu moti-viren, ohne jemals um Ausflüchte verlegen zu sein. Bis-weilen tritt auch gar nicht einmal eine besonders hoch-gradige psychische Aufregung hervor; die Stimmung derKranken erscheint ganz unverhältnissmässig ruhig im Zu-sammenhalt mit den immer wiederholten unsinnigen undecht tobsüchtigen Handlungen. Diese eigentliümliche In-kongruenz zwischen der äusserlichen Besonnenheit und demHandeln der Kranken macht sich namentlich in den mehrchronisch verlaufenden Fällen bemerkbar, die oft genug fürihre Umgehung eine wahre Plage repräsentiren.
Gerade die Erhaltung der Intelligenz setzt den Kranken