Druckschrift 
Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

Die periodische Manie.

271

Hervortreten' des maniakalischen Krankheitsbildes ändertsich die Scene. Der Kranke ist ein ganz anderer Menschgeworden. Er erscheint jugendlicher, frischer als sonst,schlagfertig, witzig, geistreich, wenn auch oft excentrisch.Alles, was er angreift, wird ihm leicht; er kennt keineErmüdung mehr und zeigt eine ihn selbst überraschendekörperliche und geistige Regsamkeit. Mit Ausnahme dermangelnden Krankheitseinsicht und einer dem genauen Be-obachter trotz der scheinbaren Genialität und Originalitätstets deutlich erkennbaren Kritiklosigkeit bestehen viel-leicht gar keine erheblicheren intellektuellen Störungen;dagegen ist regelmässig eine Steigerung der gemüth-lichen Reizbarkeit vorhanden, die nicht selten zu Händel-sucht, beständigem Zank und Streit mit der Umgebungführt, namentlich unter dem Einflüsse der hier sehr ge-wöhnlich eine grosse Rolle spielenden Allcoholexcesse.

Die Stimmung ist vorwiegend eine gehobene, heitere,durch das Gefühl der erhöhten Leistungsfähigkeit beein-flusste, doch schieben sich hier ebenso, wie bei der ein-fachen Manie häufig rasche und unvermittelte melancholischeAnwandlungen und heftige, wenig motivirte Zornausbrüchemit langen Schimpfparoxysmen und Neigung zu Gewalt-thätigkeiten ein, die aus geringfügigen äusseren Anlässenihren Ursprung nehmen. Der Kranke hat seinen innerenHalt verloren und lässt sich gänzlich durch momentaneEindrücke und Affekte beherrschen, die sofort eine unwider-stehliche Herrschaft über seinen direktionslosen Willenerlangen. Seine Handlungen tragen daher vielfach dasGepräge des Triebartigen, Unüberlegten und wegen dergeringen Störung der Intelligenz des Unmoralischen.

Der Kranke entwickelt eine auffallende Geschäftig-keit, begiebt sich unter irgend einem Vorwände auf Reisen,fährt zwecklos in der Welt umher, giebt viel Geld aus,macht auf Grund augenblicklicher Launen massenhafte Ein-käufe, bezahlt plötzlich ohne Nöthigung sämmtliche Ge-schäftsschulden und fasst den Entschluss, nunmehr seinLeben zu gemessen. Seine innere Unruhe, die gesteigertesexuelle Erregung treiben ihn ganz gegen seine bisherigeGewohnheit dazu, sich in alle möglichen Vergnügungen zu