262
III. Aufregungszustände.
Delirium febrile. Den Fieberdelirien hat man wegenihrer kurzen Dauer und ihres „symptomatischen“ Charaktershäufig die Zugehörigkeit zu den Geisteskrankheiten streitiggemacht; eine fortschreitende Erfahrung hat uns noch weitkürzer dauernde Psychosen kennen gelehrt und uns zu einerwesentlich symptomatischen Auffassung jeglichen Irreseinsgeführt. Nur gewisse Formen jener vielgestaltigen Gruppevon psychischen Alienationen sind es, die wir hier als denAufregungszuständen zugehörig kurz ins Auge zu fassenhaben. Schon der erste Grad des febrilen Deliriums*)kennzeichnet sich durch eine gewisse Unruhe, psychischeReizbarkeit, Empfindlichkeit gegen stärkere Sinneseindrückeund Störung des Schlafes, durch lebhafte, oft ängstliche Träume.Im zweiten Grade greift die Bewusstseinsstörung tiefer;die Wahrnehmung wird durch einzelne illusionäre, seltenerhallucinatorische Sinnestäuschungen verfälscht, die Vor-stellungen gewinnen eine grosse Lebendigkeit, der Verlaufderselben beschleunigt sich und entzieht sich in buntem,nur mehr associativem Zusammenhänge dem bewussten Ein-flüsse des Kranken. Zugleich wächst die Unruhe; lebhafteexpansive oder depressive Gefühle tauchen auf und ent-wickeln sich zu Affekten, bis dann auf der Höhe desdritten Grades das Krankheitsbild einer starken Bewusst-seinstrübung mit völliger Unbesinnlichkeit, verworrenerIdeenjagd, heftigen, oft wechselnden Affekten und mäch-tigem, selbst furibundem Bewegungsdrange zur Ausbildunggelangt ist. Allerdings gesellen sich nun schon häufig ein-zelne Lähmungssymptome diesen psychischen Reizungs-erscheinungen hinzu (vorübergehende soporöse Zustände,Schwäche und Unsicherheit der Bewegungen) und deutenbereits den Uebergang in den völligen Verfall des psychi-schen Lebens im vierten Grade der febrilen Aliena-tionen an.
Als die pathologische Grundlage der Fieber-delirien sind einmal die Temperatursteigerung, ferner dieBeschleunigung des Stoffwechsels, wahrscheinlich auch hyper-
*) Liebermeister, Deutsches Archiv für klin. Medicin I,p. 543.