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III. Aufregungszustände.
Nicht selten besteht eine Erhöhung der Reflex er-regbarkeit, die in schweren Fällen so hochgradig seinkann, dass die Kranken bei rascher Berührung plötzlichzusammenfahren und beim Einwirken starker äusserer Reizein einen förmlichen Paroxysmus ausgebreiteter Reaktions-bewegungen geratlien. Dagegen ist die centrale Empfäng-lichkeit wegen der tiefen Störung der Aufmerksamkeitbedeutend herabgesetzt. Unangenehme Eindrücke und Gre-meingefühle werden von dem Kranken selbst kaum empfun-den und gar nicht beachtet, weil er keine Zeit hat, sichum sie zu kümmern, ähnlich wie der Soldat im Kampfeden Schmerz der erhaltenen Wunde nicht fühlt und wiewir Alles um uns herum, sogar unsere eigenen körperlichenBedürfnisse vergessen können, wenn unser Interesse durchirgend welche Wahrnehmungen intensiv in Anspruch ge-nommen wird. Auf diese Weise erklärt sich die auffallendeUnempfindlichkeit maniakalischer Kranker gegen Hitze undKälte, gegen Hunger und Durst, gegen Schmerzen und Ver-letzungen. Nackt springen sie im kalten Zimmer herumoder setzen sich stundenlang dem glühenden Sonnenbrändeaus; Essen und Trinken vergessen sie in unablässiger Be-schäftigung mit ihren ideenflüchtigen Delirien; schonungs-los reissen sie oft die Verbände von ihren Wundenund maltraitiren sie kranke Körpertheile, gebrochene Glie-der u. dergl., ohne nur ein Zeichen des Unbehagens zuäussern.
Mit dieser centralen Unempfindlichkeit hängt auch dasgänzliche Fehlen des Ermüdungsgefühls in den Muskelnzusammen. Trotzdem die Aufregungen bisweilen Wochen,ja viele Monate lang mit geringen Unterbrechungen invollster Intensität fortdauern, ist der Kranke doch nichtmatt und abgespannt; der Verbrauch der Muskelsubstanzerzeugt keine Unlustempfindung, zum Theil gewiss auch,weil das Gefühl der centralen Erleichterung aller Hand-lungen die Ermüdung nicht zur Apperception gelangenlässt. Auf diesem Umstande und der Rücksichtslosigkeit,mit der die Kranken ihre Glieder gebrauchen, beruht dieverbreitete unrichtige Anschauung, dass dieselben überaussergewöhnliche Körperkräfte zu verfügen haben. Eine