Mania.
251
loren und erscheinen einfach als ziel- und zwecklose Sym-ptome der heftigen centralen Erregungszustände, die sichin besonders schweren Fällen auch bisweilen durch gewisse„nervöse“ Eeizungs- und Lähmungserscheinungen, Krämpfein den Gesichts- und Extremitätenmuskeln, Sprachstörungenu. s. f. kundgehen können. Der Kranke wälzt sich amBoden, rutscht auf demselben herum, strampelt mit denFüssen, klatscht mit den Händen, schlägt mit denselbenrhythmisch auf die Erde, bohrt den Kopf in die Kissen,schnaubt und bläst heftig u. s. w. Die Sprache ist hoch-gradig gestört; der Kranke reiht abgerissene, unverständ-liche Silben in zusammenhangsloser Folge an einander oderer stösst nur unartikulirte, stöhnende Schreie aus. Dieseschwersten, prognostisch ungünstigsten Formen der Maniehat man wol auch als Mania gravis bezeichnet, dochherrscht hinsichtlich dieser Benennung keine völlige Ueber-einstimmung.
Der Schlaf ist in der Manie stets sehr erheblichgestört. Schon in den leichtesten Formen verbringen dieKranken oft ihre Nächte in mannigfachen Excessen oderbeschäftigen sich mit ihren Projekten, gehen sehr spät insBett und verlassen dasselbe vielleicht schon mit Tages-anbruch wieder, um weite Spaziergänge zu machen, Briefezu schreiben u. Aehnl. Bei grösserer Intensität der Er-regung besteht meist völlige, höchstens auf eine oder wenigeStunden unterbrochene Schlaflosigkeit, die zuweilen Wochen,seihst Monate lang fortdauert. Der Appetit ist gesteigert,bisweilen sogar sehr bedeutend, aber die stete Unruhe lässtden Kranken oft nicht zur regelmässigen Nahrungsaufnahmekommen. Die Ernährung pflegt wenigstens in schwererenFällen im Laufe der Erkrankung zu sinken; das Körper-gewicht zeigt regelmässig eine, allerdings bisweilen nichtsehr bedeutende, Abnahme. Bei der Mania gravis fälltdasselbe rapide, die Haut wird bleich, kühl und trocken,das Fett schwindet überaus rasch, die Gesichtszüge sinkenein. Die Temperatur ist normal oder hochnormal, be-sonders bei anhaltender Muskelerregung, der Puls etwasbeschleunigt. Im Harn fand Mendel eine auffallende Ab-nahme des Phosphorsäuregehaltes.