238
III. Aufregungszustände.
allmählich heraus, oder er ist von Anfang an der Grundzugder entstehenden Psychose. Es scheint, dass heftige Ge-müthsbewegungen seiner Entwicklung besonders günstigsind, aber auch in der Rekonvalescenz nach akuten Krank-heiten (besonders Pneumonie), im Anschlüsse an rascherschöpfende Einwirkungen, im Puerperium, ist diese Formdes Irreseins nicht so selten. Endlich sind auch peripheresomatische Störungen, peinigende Neuralgien, Herzaffek-tionen, Emphysem u. dergl. unter den häufigeren Ursachender Psychose zu erwähnen. Meist ist die Entwicklung der-selben eine allmähliche. Als Prodromalsymptome be-merkt man nicht selten Kopfschmerzen, Schwindel, abnormeSensationen, Neuralgien, leichte Verstimmung, erhöhte Reiz-barkeit u. dergl. Die anfangs nur leise angedeutete, nament-lich Nachts hervortretende innere Unruhe steigert sich erstnach und nach zu immer höheren Graden. In andernFällen jedoch, bei stark prädisponirten Individuen, oderdort, wo das Kausalmoment (jäher Temperaturabfall, Ge-müthsbewegung) sehr rasch und intensiv ein wir kt, kanndie Alteration auch ganz plötzlich und unvermuthet herein-brechen; es treten massenhafte Sinnestäuschungen hervor,das Bewusstsein trübt sich, und der Kranke ist mit einemSchlage willenlos den mächtigen entfesselten Affekten preis-gegeben. Dieser Verschiedenheit der Entwicklung pflegenauch Differenzen im weiteren V erlaufe und in derDauer zu entsprechen. Das stürmische Auftreten der Stö-rung berechtigt zu der Hoffnung einer ebenso raschenLösung und einer kurzen Dauer derselben. So pflegen diemeist dieser klinischen Form angehörigen ängstlich-ver-wirrten Kollapsdelirien beim Fieberabfall nach akutenKrankheiten gewöhnlich nach einer Dauer von einigenTagen, bisweilen sogar nur Stunden, schnell und vollstän-dig zu verschwinden. In der Regel jedoch, wo kein soaugenfälliges und sich selbst rasch korrigirendes Kausal-moment vorliegt, erstreckt sich die Krankheit über eineReihe von Wochen und Monaten hin, wenn auch dieDauer derselben im Allgemeinen eine weniger protrahirtezu sein pflegt, als diejenige der früher besprochenen Formender Melancholie.