Druckschrift 
Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
Seite
236
Einzelbild herunterladen
 

236

III. Aufregung?zustande.

Verbindungen. Während bei dieser letzteren die Vor-stellungen nach ihrem zufälligen, oft sehr lockeren undäusserlichen Zusammenhänge sich zwanglos aneinander-reihen, finden wir dort eine gewisse inhaltliche Ueber-einstimmung aller ins Bewusstsein tretenden Ideen, dieeben durch den mächtigen, das Individuum vollständig be-herrschenden Affekt der Angst vermittelt wird.

Im äusseren Verhalten der Kranken prägt sich dieinnere Bewegung zunächst durch eine gewisse Unruheaus. Die Patienten können nicht lange an einer Stelle oderin einer Position verharren; sie gehen hin und her, setzensich, stehen wieder auf und werden ruhelos herumgetrieben,bald hinaus ins Preie, bald wieder nach Hause, immer inder unbestimmten, aber stets unerfüllten Hoffnung, durchdie aufgesuchte Veränderung sich eine Erleichterung ver-schaffen zu können. Anfangs gelingt es ihnen oft noch,diese Unstetigkeit durch eine Willensanstrengung, einSichzusammennehmen, zu beherrschen, wobei ihre Haltung undMiene schon die innere Spannung verräth. Bald abernimmt der Bewegungsdrang derartig zu, dass es selbstdurch Zureden, ja durch Festhalten nicht möglich ist, sieauch nur auf kurze Zeit zum Stillstehen oder zum ruhigenSitzenbleiben zu bringen. Zugleich macht sich die innereErregung in Ausdrucksbewegungen gewöhnlicher und un-gewöhnlicher Art Luft. In den Gesiclitszügen zeigen sichdie charakteristischen Angstfalten; die Kranken fangen anzu jammern und zu wehklagen, ja laut zu schreien, bis sieschliesslich in der höchsten Angst nur noch unartikulii'teLaute ausstossen; sie ringen die Hände, gestikuliren mitden Armen und dem Kopfe, schlagen sich mit der Hand vordie Stirn, zupfen sich Nase, Lippen, Ohrläppchen blutig,zerraufen sich die Haare, wälzen sich am Boden und zer-schlitzen ihre Kleider in immer heftigerer, unwidersteh-licherer Erregung, um sie schliesslich ganz von sich zuwerfen.

In den höchsten Graden des Affektes mit starker Be-wusstseinstrübung kann der Drang nach Befreiung von derinneren Spannung und aus der imaginären grässlichen Gefahrzu einer so elementaren Gewalt anwachsen, dass er, ähn-