Dementia aeuta.
231
langsam; die Sensibilität und Refl exerr egb arkeitist stark herabgesetzt; alle Bewegungen geschehen schlaffund ohne Energie. Die Verdauung ist träge, doch kommtes bisweilen zur Entwicklung von Darmkatarrhen. Die Men-ses cessiren. Der Schlaf ist meist gut.
Die Dementia acuta kann entweder allmählich oderauch ganz rasch und plötzlich zur Ausbildung gelangen,letzteres besonders nach sehr intensiv einwirkenden Kausal-momenten. Nach Typhus schliesst sie sich oft unmittelbaran die Somnolenzzustände auf der Höhe der Erkrankungan. In anderen Fällen wird der Kranke nach und nachstiller, apathischer und leistungsunfähiger, bis schliesslichdas Krankheitsbild sich in seiner ganzen Ausdehnungherausgebildet hat. Der weitere Verlauf ist meist durchkleinere oder grössere Schwankungen ausgezeichnet; es ge-lingt vorübergehend, von dem Kranken einige leise Ant-worten auf einfache Fragen zu erhalten, oder er isst einigeTage von selbst, um dann wieder in die frühere Apathiezurückzuverfallen. Auch episodische ganz verwirrte Auf-regungszustände werden beobachtet, in denen der Krankeeinzelne zusammenhangslose Worte ausstösst, unverständlichvor sich hin spricht, im Zimmer herumtanzt, auch wol zer-stört und gelegentlich zuschlägt, aber Alles ohne irgendeinen tieferen Affekt, durchaus verschieden von den impul-siven Gewaltakten der Stuporösen.
Die Dauer der Dementia acuta beträgt in der Regeleinige Monate, doch sah ich einen Fall noch nach mehrals zwei Jahren in völlige Heilung übergehen. DiePrognose ist im Allgemeinen eine günstige; natürlichhängt Vieles von der Natur des zu Grunde liegenden Leidensab. Die Rekonvalescenz vollzieht sich stets langsam undallmählich; der Kranke fängt an, selber zu essen, sichreinlich zu halten, einzelne Antworten zu geben; er wirdnach und nach lebhafter, lässt sich zu leichten Beschäf-tigungen heranziehen und gewinnt schliesslich unter rascherBesserung der Ernährung (bisweilen enormer Appetit)binnen Kurzem wieder volle Klarheit und Besonnenheit,ohne eine andere, als sehr dunkle Erinnerung an die Periodeder Erkrankung zu besitzen. Eine leichte Ermüdbarkeit