282
II. Dämmerzustände.
bleibt regelmässig nocli einige Zeit zurück; die Stimmungist meist lieiter und dankbar; Wahnideen bestehen nicht.In ungünstigen Fällen bleibt der Zustand der psychischenLeistungsnnfähigkeit mit unwesentlichen Besserungen sta-tionär; es stellt sich wol wieder eine gewisse Aktivität ein,aber der Kranke ist dauernd blödsinnig. Unter solchenUmständen, wie das namentlich nach Typhus verhältniss-mässig häufig beobachtet wird, hat man wol an tiefer-greifende, irreparable Störungen in der Hirnrinde zu denken,wie sie sich im Anschlüsse an die genannte Krankheitschon durch die anatomische Betrachtung als degenerativeVeränderungen nachweisen lassen. In den heilbaren Fällenhat die Annahme rein funktioneller Alterationen der Nerven-masse (vielleicht im Anschlüsse an Stauungen und chro-nische Oedeme) die meiste Wahrscheinlichkeit für sich.
Die Differentialdiagnose der Dementia acuta vonden sekundären tiefen apathischen Blödsinnszuständen stütztsich ausschliesslich auf die Anamnese und die Beobach-tung des Verlaufes; sie- wird gesichert durch die Fest-stellung von Remissionen. Vom Stupor lässt sich die hierbesprochene Störung hauptsächlich durch das gänzlicheFehlen der Zeichen innerer Spannung (Gesichtsausdruck,passiver Widerstand, explosive Gewaltakte) unterscheiden.
Die Behandlung hat als Kausalindikation mit allenMitteln die Beseitigung der bestehenden Erschöpfungdurch möglichst kräftige, leicht verdauliche Nahrung, sowiedie medikamentösen Koborantien und Nutrientien (Chinin,Eisen, Leberthran) anzustreben. Im Uebrigen genügt einrein diätetisches Verfahren, Sorge für Reinlichkeit, gutefrische Luft, warme Kleidung, häufige Lageveränderung(wegen der Oedeme), in der Rekonvalescenz Schutz vorgemüthlicher Erregung oder geistiger Ueberanstrengungneben leichter, anregender Beschäftigung in freundlicherund ruhiger Umgebung. Eine vorsichtige psychische undkörperliche Diätetik muss oft noch sehr lange bis zur völligenKräftigung des Patienten fortgesetzt werden.