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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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II. Dämmerzustände.

sexuelle Empfindungen hinein; Gefühle der höchsten Selig-keit und Wonne begleiten diese Phantasien. Währenddieser Verzückung ist der Kranke vollkommen unempfindlichund theilnahmlos für seine Umgehung; mit weit geöffnetenAugen und schwärmerischem Gesichtsausdrucke, nach obenblickend, liegt er vielleicht regungslos auf den Knieen da,ohne auf Anreden irgendwie zu reagiren. Stärkere Muskel-spannung besteht nicht. Der Kranke lässt sich bisweilenganz willenlos dirigiren; in andern Fällen beantwortet erjede Störung durch den unwilligen Versuch, sich demäusseren Eingriffe zu entziehen.

Derartige Zustände sind meist nur von kurzer, höch-stens einige Tage langer Dauer, kehren aber häufig indemselben Krankheitsverlaufe mehrmals wieder, besondersin der Nacht. Sie sind jenen Bewusstseinsstörungen analog,die durch manche Gifte, namentlich das Opium, durch langesFasten (Visionen der Mystiker; Hungerdelirien) hervor-gerufen werden. Auch nach starken Blutverlusten, imKollapse, werden dieselben bisweilen beobachtet. Einereigentlichen Behandlung bedürfen sie wegen ihres raschenAblaufes nicht, wo eine solche nicht wegen der Ursachedes Leidens erfordert wird.

Mehr oder weniger ausgeprägten Andeutungen derstuporösen und ekstatischen Bewusstseinsstörung begegnenwir in manchen Formen der Delirien b.ei schwerenkörperlichen Erkrankungen. Die Auffassung der Um-gehung ist erschwert und undeutlich, die Personen derselbenwerden nicht erkannt, aber trotzdem zeigt der ängstlichgespannte oder entzückte Gesichtsausdruck des Kranken an,dass noch lebhafte psychische Vorgänge in seinem Innernablaufen, die seine Aufmerksamkeit voll und ganz in An-spruch nehmen. Zugleich aber geben uns diese Zuständehäufig Gelegenheit, die allmähliche Zunahme der Störungdes Bewusstseins bis zur völligen Aufhebung desselben zubeobachten. Schon bei den sog. blanden und mussi-tirenden Delirien hat sich der Zusammenhang der Vor-stellungen fast gänzlich gelöst; ohne inneres Band folgendieselben einander, wie sie gerade durch den Zufall herauf-geführt werden. Der Stimmungshintergrund zeigt keine