Stupor und Ekstase.
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zu plötzlichen Gewaltthätigkeiten, die sich gegen die eigenePerson oder gegen die Umgebung richten können.
Der körperliche Zustand der Kranken zeigt dieErscheinungen einer starken Herabsetzung aller vegetativenFunktionen. Das Körpergewicht und die allgemeineErnährung sinkt rapide, das Fettpolster schwindet, dieGesichtsfarbe wird grau, die Haut trocken und spröde. DerSchlaf ist sehr beeinträchtigt; die Kranken liegen oft dieganze Nacht mit offenen Augen in ängstlicher Spannung,ohne zu schlafen. Die Athmung ist verlangsamt undoberflächlich, der Puls klein und gespannt, dieTemperatursubnormal. Die Menses cessiren; regelmässig besteht sein-hartnäckige Verstopfung. Die Sensibilität scheint meistungestört zu sein, nur die Reaktionsfähigkeit der Krankenist vermindert.
Am häufigsten entwickelt sich diese Form des Stuporsim Verlaufe einer Melancholie mit Wahnideen, indem dieschon dort erwähnte Gebundenheit zunimmt und zugleicheine tiefere Störung- des Bewusstseins, der Auffassung derAussenwelt, Platz greift. Von besonderen ätiologischen Mo-menten sind namentlich plötzliche lebhafte Affekte (Schreck,grosse Angst) zu erwähnen. Die Ausbildung des Stuporsgeschieht meist allmählich; der nach und nach immerscheuer und stiller gewordene Kranke versinkt schliesslich ingänzliches, reaktionsloses, starres Schweigen. Weit seltenerscliliesst sich die Störung unmittelbar an die Einwirkungder Krankheitsursache an. Der Verlauf ist bald gleicli-mässig, bald schwankend, Besserungen und Verschlimme-rungen darbietend. Die Dauer beträgt in der Regel einigeMonate, kann sich aber ohne völligen Verlust der Aussichtauf Heilung auch über Jahr und Tag hinauserstrecken.
Der Stupor ist unter allen Umständen eine schwereErkrankung, die nicht so selten in Unheilbarkeit über-geht, bisweilen auch zum Tode führen kann. Die Heilungvollzieht sicli selten rasch, binnen wenigen Tagen, in derRegel nach und nach. Die Spannung löst sich allmählich;der Kranke beginnt, gelegentlich mit leiser, zögernderStimme einzelne Antworten zu geben und Nahrung zusich zu nehmen; die Sinnestäuschungen treten zurück, das
Kraepelin, Comp. d. Psychiatrie. 15