Melancholie mit Wahnideen.
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dieser Weise erkrankte Dame bezeichnete während desmelancholischen Anfalls stets diese krankhaften Zeiten alsdie eigentlich gesunden und die dazwischen liegenden Jahreals Perioden unbegreiflicher Verblendung, bis dann mitder Genesung die wahre Einsicht wiederkehrte. Nichtselten klagen sich Melancholiker selber der schrecklichstenVerbrechen an, die ihnen ihre erregte Phantasie vorführt(Sodomie,. Verrath an dem Herrn, Meineid), oder sie er-finden solche Selbstbeschuldigungen, um den auf andereWeise „tausendfach verdienten“ Tod zu finden. Kleinmiithigund verzagt bitten sie beständig um Entschuldigung fürvermeintliche Beleidigungen, die sie ihrer Umgebung zuge-fiigt haben, halten sich für zu schlecht und zu niedrig,um essen, Kleider tragen oder sich in ein Bett legen zudürfen, und machen daher hei jeder Gelegenheit diegrössten Schwierigkeiten. Sie verweigern die Nahrung,entkleiden sich, rutschen beständig auf den Knieen herumund verbringen die ganze Nacht im Hemde ausser Bett.Als gerechte Strafe für ihre grossen Sünden verlangen sie,sogleich ins Gefängniss geführt, geköpft, verbrannt, inStücke geschnitten, wilden Thieren vorgeworfen zu werdenund nehmen jede Gelegenheit wahr, das Strafgericht ansich vollziehen zu lassen oder auch wol seihst die Weltvon ihrer Gegenwart zu befreien, da sie doch zu nichtsmehr nütze sind und keine Gnade mehr zu hoffen haben.
Ans diesen Versündigungsideen geht bisweilen derVerfolgungswahn unmittelbar hervor. Die Vorstellungbegangenen Unrechtes erzeugt die Erwartung der Strafe,des nahenden Gerichtsdieners, der Henkersknechte, die zurbevorstehenden Hinrichtung schreiten wollen. Aber auchdurch Sinnestäuschungen, namentlich nächtliche, können ähn-liche Ideen wachgernfen werden. Im wachen Traume ge-hörte Drohungen, die Verkündigung des Urtheils, die phan-tastische Wahrnehmung schreckhafter Spukgestalten, schwar-zer Teufel, wilder Thiere, lassen dem Kranken sein Schicksalbesiegelt erscheinen. Bei Tage sind es vielleicht zischelndeStimmen, die ihm Schimpf- und Schmäliwort.e Zurufen oderfeindselige Bemerkungen gegen ihn schleudern; seiner vor-urtheilsvollen Auffassung erscheint jede Geherde, jede barm-