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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Mclancholia simplex.

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Das allmähliche Schwinden der Krankheit nachvielfachen Remissionen und Exacerbationen ist durchaus dieRegel; plötzlichen, im Verlaufe weniger Tage eintretendenHeilungen" hei dieser Form der Melancholie ist niemalsganz zu trauen; sie bedeuten nicht selten das Umschlagender depressiven in eine heitere Verstimmung. Einen sehrguten Anhaltspunkt für die prognostische Beurtheilung derVeränderungen im psychischen Krankheitshilde gieht dasVerhalten des Körpergewichtes an die Hand. Steti-ges, wenn auch noch nicht sehr rasches Ansteigen desselbendeutet mit Entschiedenheit auf die bevorstehende Rekon-valescenz hin, wenn nicht etwa die Zeichen einer beginnen-den Verblödung (Auftreten absurder Wahnideen, Urtheils-schwäche) sich geltend machen. Im günstigen Falle bessernsich nach und nach Schlaf und Verdauung; die Nachlässeder Depression werden anhaltender und ausgiebiger, wennauch noch einzelne schlechte Tage (in Folge einer unruhigenNacht, Verdauungsstörung, psychischen Aufregung) da-zwischen Vorkommen. Namentlich die Rückkehr des Inter-esses für die gewohnten Beschäftigungen ist alsein Zeichen von sehr guter Vorbedeutung zu betrachten.Die Krankheitseinsicht, wenn sie auf der Höhe bisweilengetrübt war, kehrt jetzt dauernd zurück und macht denPatienten, der früher vielleicht häufig widerstrebend undgereizt gewesen war, dankbar und gehorsam. Ist daskrankhafte Unlustgefühl und die innere Spannung gänzlichin Lösung begriffen, dann tritt sehr gewöhnlich ein er-höhtes, reaktives Wohlgefühl hei dem Rekonvalescentenhervor. Gfleichwol besteht immer noch für einige Zeit eineleichtere Ermüdbarkeit und eine vermehrte Empfindlichkeitgegen äussere Schädlichkeiten, besonders Affekte, Ueber-anstrengungen, Excesse, welche vorübergehende Verschlim-merungen nach sich ziehen können, bis sich im Laufe derWochen und Monate auch diese Störung vollkommen aus-gleicht.

Die Prognose der einfachen Melancholie ist im All-gemeinen eine recht günstige; selbst jahrelange Dauer der-selben schliesst die Hoffnung auf Genesung nicht aus, wennnicht inzwischen anderweitige Kranklieitssymptome zur Ent-