Melancliolia simplex.
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gewöhnlichsten Verrichtungen unthätig und schlaflos halbeund ganze Tage im Bette liegen, ohne sich zum Aufstehenoder zu irgend einer selbständigen Handlung entschliessenzu können. Begreiflicherweise leidet unter dieser Energie-losigkeit auch die Befriedigung des Nahrungsbedürfnisses.Wo nicht eine aufmerksame Pflege für das regelmässigeEinhalten der Mahlzeiten Sorge trägt, fängt der Krankesehr bald an, sein körperliches Wohl gänzlich zu ver-nachlässigen, da der natürliche Trieb des Hungers von derkrankhaften Verstimmung übertönt wird und in Folge dersich einstellenden Verdauungsstörungen sehr bald gänzlichschweigt.
In den höchsten Graden dieser motorischen Gebunden-heit wird jede Lageveränderung, auch die passive, sogardirekt von starken Unlustgefühlen begleitet. Der Krankefürchtet sich davor, das Zimmer zu verlassen, aufzustehen,sich zu setzen, zu legen, zu essen, und entschliesst sich nurzögernd und auf vieles Zureden zu irgend welchem Han-deln. Versuche zu aktiver Beeinflussung stossen meist aufein leichtes, aber rasch wachsendes Widerstreben, welchesalle derartigen Bemühungen resultatlos und geradezu schäd-lich erscheinen lässt. Sehr unangenehm wird diese Störung,wenn sie die Kranken daran verhindert, sich Abends ins Bettzu legen, sich an- und auszukleiden und ihre Nahrung zusich zu nehmen.
Einen eigenthümlichen Kontrast zu der sonstigen Energie-losigkeit der Melancholiker bildet die nicht selten beob-achtete Hartnäckigkeit, mit der sie an der Ausführunggewisser krankhafter Pläne, namentlich des Selbstmordes,festhalten. Diese Erscheinung wird einigermaassen erklär-lich, wenn man bedenkt, dass die Unfähigkeit zu that-kräftigem Handeln hier nicht aus dem Mangel an Motiven,sondern aus der Unterdrückung der gesunden Mo-tive durch die hemmenden Unlustgefühle liervor-gelit. Jene Strebungen dagegen, die in diesen Unlust-gefühlen seihst ihre Wurzel haben, können daher leicht einedauernde und unwiderstehliche Macht über den Willen desKranken erlangen. Das Gefühl der inneren Verödung undVerarmung, der Blick in eine vermeintlich finstere und
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