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I. Depressionszustände.
Abgesehen von diesen impulsiven Reaktionen auf derHöhe des psychischen Schmerzes trägt auch das Handelndes Kranken in gleicher Weise, wie der Vorstellungs-verlauf regelmässig den Charakter der Gebundenheitund Unfreiheit. Er ist nicht im Stande, sich aufzuraffenund die mühsam gefassten Entschlüsse auszuführen; dieinnere Unlust hat in ihm Huth und Freudigkeit zu tliat-krüftigem Schaffen unterdrückt. An Stelle der früherenRegsamkeit tritt immer mehr eine unüberwindliche Schlaff-heit und Energielosigkeit hervor, die den Kranken zu jederdauernden Anstrengung unfähig macht. Er kommt mitseinen Bestrebungen langsam oder gar nicht vorwärts, fängtimmer von Neuem an, ohne irgend etwas fertig zu bringen,und sitzt vielleicht Stunden oder Tage lang in dumpfemHinbrüten da, die Hände in den Schooss gelegt. Die noth-wendigsten Geschäfte und Pflichten werden von ihm ver-absäumt, weil er nicht Initiative genug besitzt, um diepsychische Hemmung zu überwinden; jede Nötliigung zuaktiver Anstrengung wird eine Quelle intensiver Unlust-gefühle. Mit dem Aufgebote seiner ganzen psychischenKräfte gelingt es ihm vielleicht noch, die zwingendstenBerufsarbeiten zu verrichten, aber er beginnt wenigstensdas Nebensächliche zu vernachlässigen. Die Sorge für seinAeusseres, für Kleidung und Toilette, tritt gänzlich zurück,ein Umstand, der namentlich bei weiblichen Patienten sehrauffallend wird. Unordentliche Frisuren, abgerissene Knöpfe,unbeachtet gebliebene Flecken und Defekte an der Kleidunglassen den Verlust des Interesses für diese sonst vielleichtsehr gepflegten Aeusserliclikeiten und den Mangel an Energiezur Beseitigung der Nachlässigkeiten oft recht charakteristischhervortreten.
Auch die einzelnen Bewegungen geschehen meist lang-sam und ohne Kraft; die Sprache ist häufig leise undzögernd, und selbst in der ganzen Haltung des Körperskommt die Abwesenheit der elastischen Spannung, dasschlaffe Bedürfniss nach möglichster Ruhe und stabilemGleichgewichte zum Ausdruck. In einzelnen Fällen bildetsich dasselbe zu einer förmlichen „Bettsucht“ aus; dieKranken bleiben in völliger psychischer Unfähigkeit zu den