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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
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Melancholia Simplex.

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mehr die subjektive krankhafte Gefühlsreaktion von denwirklich gegebenen Verhältnissen zu trennen; er beginnt dieWeltmit andern Augen und zwar durch eineschwarzeBrille anzusehen, ohne sich in seiner Auffassung der Dingevon diesen in seiner eigenen Stimmung gelegenen Fehler-quellen frei machen zu können. Wie der Verstimmte nurSchatten und düstere Bilder vor sich sieht, wo ihm in glück-lichen Stunden Alles sonnighell und heiter zu sein schien,so erhalten auch hier alle Eindrücke einen pessimisti-schen und nihilistischen Zug. Das Dasein erscheintdem Kranken freudlos und nicht lebenswerth, die Freudendesselben abgeschmackt und trügerisch, die Vergangenheitinhaltsleer, die Gegenwart unerträglich, die Zukunft finsterund trostlos. Anfangs und in leichteren Fällen wird diesedüstere Auffassung noch aus der eigenen Verstimmungheraus motivirt; es besteht Krankheitseinsicht. In derKegel jedoch wird die Kritik von den übermächtigen Ge-fühlsschwankungen überwältigt und die krankhafte Ver-änderung in die Aussenwelt hinausgetragen; es scheintnicht nur Alles so trübe und öde zu sein, sondern es istwirklich so. Eine weitere Ausbildung dieser Störung derIntelligenz kann dann zur Entstehung förmlicher Wahn-ideen und einer systematischen Verfälschung der äusserenErfahrung Veranlassung geben.

Der allgemeine depressive Grundton der Stimmung istwährend der Krankheit meist stationär. Im Beginne der-selben, bevor die Gefühlsalteration sich zu ihrer Höhe ent-wickelt hat, macht sich regelmässig eine erhöhte Reizbarkeit,und Launenhaftigkeit geltend, die oft noch als normaleErscheinung betrachtet wird, bis dann die dauernde un-motivirte Depression stärker und stärker hervortritt. Auchspäter aber, wenn die psychische Hyperalgesie, die krank-hafte Schmerzreaktion auf äussere Anregungen zur Aus-bildung gelangt ist, kommt es bisweilen zu heftigen affekt-artigen Gefühlsschwankungen. Hier wird gewisser-maassen durch das Uebermaass der schmerzlichen Spannungdie psychische Hemmung gewaltsam durchbrochen und soein Umsatz der Unlusterregung in Ausbrüche leidenschaft-licher Bewegung herbeigeführt,lvraepelin, Comp. d. Psychiatrie.

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