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I. Depressionszustände.
aus, sondern jeder neue Eindruck hat den unmittelbarenErfolg, die bestellende tiefe Verstimmung _ zu wahrempsychischem Schmerze zu verstärken. Einen jungenMelancholiker sah icli heim Anhören heiterer Musik inbitterliches Weinen ausbreclien, „weil ihm das so wehetliue“; jede äussere Anregung, namentlich rascher Wechselderselben, ja selbst der Anblick seiner Lieben erfüllt denKranken mit den schmerzlichsten Unlustgefühlen.
Bei dieser abnormen Gefühlsreaktion auf die Ein-drücke der Umgebung und dem mangelnden Interesse fürdieselben kann gleichwol die inhaltliche Auffassung, wiedie intellektuelle Verarbeitung derselben in vollständig nor-maler Weise von Statten gehen. Der Kranke kann sichder pathologischen Natur seiner Verstimmung durchausbewusst sein und trotz des Druckes derselben eine be-sonnene Kritik der Erfahrung aufrecht erhalten. Dennochfehlt niemals eine mehr oder weniger hochgradige Ver-langsamung sowol der äusseren Wahrnehmung, wiedes Vorstellungsverlaufes, die sich sogar auf experi-mentellem Wege direkt nacliweisen lässt und in vollste]'Uebereinstimmung mit der Erfahrung stellt, dass auch beimgesunden Menschen depressive Gemütlisbewegungen dieDauer einfacher psychischer Vorgänge verlängern. Die An-spannung der Aufmerksamkeit ist mit grösserer Anstrengungverbunden und führt daher auch viel rascher zur Ermü-dung, so dass schon deshalb eine äussere Ablenkung desKranken nur für kurze Dauer möglich ist. Mit der Lustist auch die Fähigkeit zu der gewohnten Beschäftigung,namentlich wenn dieselbe intellektuelle Leistungen verlangt,verloren gegangen. Auch diese Erschwerung und Verlang-samung der geistigen Operationen, die Herabsetzung derfrüheren Regsamkeit wird häufig von dem Kranken äusserstpeinvoll als aufgedrungene Hemmung empfunden.
Sehr bald führt nun aber auch die wachsende Inten-sität der Unlustgefühle zu einer, wenn auch zumeist nurleichten Alteration in der Auffassung der Aussen-welt, namentlich soweit dieselbe auf der Interpretationder äusseren Eindrücke beruht. Der Kranke verliert dieFähigkeit zu objektiver Beurtheilung und vermag nicht