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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
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Melancliolia Simplex.

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freudige Regung schon im Entstehen unterdrückt. Wieschon unter normalen Verhältnissen jede intensivere Ge-fühlserregung in unserem Innern unser ganzes Interesse inAnspruch nimmt und uns unfähig macht, unsere Aufmerk-samkeit dauernd auf die Dinge ausser uns zu koncentriren,so bildet sich hier in noch höherem Masse eine Gleich-gültigkeit gegen die Umgebung, ein gänzlicher Mangelan Interesse selbst für diejenigen Beziehungen des Krankenheraus, deren Verfolgung ihm früher die grösste Befriedigunggewährte. Theater, Ivoncerte, Geselligkeit, Vergnügungen,die bis dahin mit Eifer kultivirt worden waren, lassen ihnkalt oder ekeln ihn sogar an; die Arbeit, das Geschäft,der Beruf, der seine Freude war, erscheint dem Krankenjetzt fade und trostlos; er kann sich nicht mehr recht freuenund sich nicht mehr grämen, weil ihn die äusseren Ein-drücke gemüthlich nicht mehr so berühren und jede auf-tauchende Gefühlsregung aufgeht in dem einen dumpfenGefühle der peinlichsten Unlust.

Die Zuneigung zu den Freunden, zu den Eltern, zuWeib und Kind macht einer stumpfen GleichgültigkeitPlatz, die von dem besonnenen Kranken klar empfundenwird. Er weiss und fühlt, dass es in ihm so öde und leergeworden ist, dass er sein Interesse und seine gemüthlicheRegsamkeit verloren hat. Die Welt ist ihm eine anderegeworden, als früher, nicht nach ihrem äusseren Scheine, dernoch derselbe geblieben ist, aber nach ihrem Wesen; esist Alles todt für ihn und ohne inneres Leben. Den Vor-gängen in der Umgebung, ja auch den eigenen Erlebnissengegenüber fühlt sich der Kranke wie ein unbetheiligterZuschauer; es ist Alles wie auf dem Theater, und die Men-schen erscheinen ihm nur wie Marionetten ohne Fleisch undBlut. Dieses Bewusstsein der eigenen Gemüthsstumpfheitund Kälte, der völligen Veränderung, welche sich in seinemInneren vollzogen hat, wird für den Melancholiker sehrgewöhnlich eine Quelle peinlicher Vorstellungen, die sein-leicht den Charakter der Selbstvorwürfe annehmen uhd sodie . Entstehung von Versündigungsideen begünstigen.

In schweren Erkrankungsfällen bleibt nicht nur die Lust-betonung gewohnter Genüsse und herzlicher Beziehungen