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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Anatomische, ätiologische, symptomatische Eintheilungen. 189

sowol nach der Dauer und Intensität ihres Einwirkens, alsauch nach der Konstitution des Organismus, den sie treffen;sie wirken ferner selten einzeln, meist in Verbindung, sodass sich der kausale Zusammenhang der einzelnen Er-scheinungen fast niemals mit jener Klarheit durchschauenlässt, wie etwa bei dem Verlaufe einer Infektionskrankheit.

Am klarsten sind jedenfalls die Beziehungen, welchezwischen der organisch bedingten Funktionsstörung undden klinischen Erscheinungen bestehen. Diese letzterensind daher auch am häufigsten zur Grundlage einer Gruppi-rung der Psychosen gewählt worden. Allerdings bestehthier die Schwierigkeit, durch Abtrennung der wesentlichenSymptome von dem Nebensächlichen, welches wir in denempirischen Krankheitsbildern vorfinden, die gemeinsamenGrundzüge zu gewinnen, welche als Eintlieilungsprinzipverwerthet werden können. Wenn auch diese Forderungeinstweilen nur in entfernter Annäherung erfüllt werdenkann, so gestattet doch die klinisch-symptomatische Be-trachtungsweise noch am ungezwungensten, die verschie-denen Formenkreise des Irreseins zu gruppiren. Auch wirwerden uns daher im Nachfolgenden von ihr leiten lassen,indem wir uns so viel wie möglich an die allgemein ge-bräuchliche Terminologie anscliliessen. Nur sei hier noch-mals betont, dass auch dieses Prinzip der Klassifikation eindurchaus unvollkommenes ist und seine grossen Mängelhat. Was es uns bietet, sind nicht etwa Krankheiten,sondern lediglich Symptomenkomplexe. Eine tieferepathologische Begründung werden diese letzteren erst danngewinnen, wenn es gelingt, ihre gesetzmässigß Abhängig-keit von krankhaften Störungen der Hirnfunktionen imEinzelnen nachzuweisen.