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Die Klassifikation der Psychosen.
symptomatisch definirte „Krankheiten“ friedlich neben ein-ander bestehen.
Die grössten Hoffnungen für den Fortschritt in dieserRichtung pflegt man gewöhnlich auf die pathologischeAnatomie zu setzen, die uns über das wahre Wesen dereinzelnen Störungen aufzuklären berufen sein soll. Alleindie grosse Mehrzahl der Geisteskrankheiten dürfte wesent-lich auf funktionellen, d. li. auf solchen Veränderungenberuhen, die der anatomischen Forschung, wenn man vonetwaigen mikrochemischen Fortschritten absieht, immer un-zugänglich bleiben müssen. Wenn wir selbst einen neu-ralgischen Nerven anatomisch nicht von einem gesundenzu unterscheiden vermögen, wie viel weniger können wirdaran denken, etwa einen „Befund“ bei der Verrücktheitfestzustellen! Aber angenommen selbst, dass es gelänge,hier konstante Strukturveränderungen aufzufinden, so würdendieselben einen wirklichen Werth doch erst durch die Be-ziehung auf die gleichzeitig beobachteten Funktionsstörungengewinnen. Sehr deutlich macht sich dieses Desiderat gel-tend bei derjenigen Psychose, deren pathologisch-anatomischeGrundlagen uns wenigstens in der Hauptsache bereits be-kannt sind, bei der Dementia paralytica. Ein tieferes Ver-ständnis der psychischen Erscheinungen ist uns durch die-selben nur in sehr beschränktem Masse geliefert worden;es bleibt einstweilen immer noch recht unklar, in welcherWeise der Grössenwahn, die melancholischen und liypo--chondrischen Ideen, ja genau genommen, auch die Kritik-losigkeit aus dem anatomischen Befunde zu erklären ist.Die bisherigen Versuche einer pathologisch-anatomischenKlassifikation der Geistesstörungen sind daher auch sänimt-lieli gescheitert.
Aehnliclie Ein wände lassen sich gegen den Versucheiner ätiologischen und einer symptomatischen Ein-theilung der Psychosen Vorbringen. Allerdings giebt esUrsachen, die'dem klinischen Krankheitsbilde, welches sieerzeugen, gewisse charakteristische Merkmale verleihen undsomit einen Rückschluss auf die Entstehungsgeschichte des-selben gestatten. Der grossen Mehrzahl nach haben indessendie Ursachen des Irreseins einen sehr verschiedenen Effekt,