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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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V. Allgemeine Therapie.

rungsverweigerung (Sitophobie). Dieselbe kann ihrenGrund in mannigfachen Wahnideen haben, Vergiftungsfurcht,Glaube, nicht bezahlen zu können, das Essen nicht wertbzu sein, Wunsch zu verhungern u. s. f. Der beste Bundes-genosse ist liier immer der Hunger, der bisweilen nacheinigen Tagen der Sitophobie sein Recht so stark geltendmacht, dass der Kranke dann mit wahrer Gier über dieVorgesetzten Speisen herfällt. Derselbe wirkt am verführe-rischsten, wenn man sich um den Kranken scheinbar garnicht kümmert, ihn mit dem Essen allein lässt und vonseiner Nahrungsverweigerung möglichst wenig Notiz nimmt.Vieles Zureden oder gar Versuche, die Nahrung einzugeben,pflegen hier den passiven Widerstand rasch sehr erheblichzu verstärken. In andern Fällen ist es mehr eine gewisseEnergielosigkeit, die den Kranken hindert, die wahnhaftenGegenvorstellungen zu überwinden; er isst, sobald man ihmden Löffel an den Mund führt. Anwendung von Gewaltdabei ist hier, wie dort, regelmässig vom Uebel. Bisweilenwechselt auch der Zustand sehr rasch, und derselbe Kranke,der jetzt auf keine Weise zum Essen zu bringen war,nimmt vielleicht nach einer Viertelstunde freiwillig seineNahrung zu sich, um kurze Zeit darauf wieder allen Ver-suchungen eigensinnig zu widerstehen. Unermüdliche Ge-duld und genaue.Ausnutzung aller kleinen Vortheile (z. B.Anregung der Nachahmung und des Appetits durch Mit-essen), sowie möglichst sorgfältige Auswahl und Abwechse-lung der Speisen helfen meist über die aufgezählten Schwie-rigkeiten hinweg.

Allein es giebt Fälle, in denen alle Bemühungen desArztes nach dieser Richtung hin fehlschlagen und in denenschliesslich, um der drohenden Gefahr der Erschöpfung unddes Hungertodes zu begegnen, zur künstlichen, zwimgs-mässigen Einbringung der Nahrung geschritten werdenmuss. Der Zeitpunkt, an welchem man zu diesem Aus-kunftsmittel greift, wird am besten durch die Körperwagebestimmt, weil sie den zuverlässigsten Anhaltspunkt für dieBeurtlieilung des Ernährungsstandes liefert. . Am schlimm-sten sind diejenigen Fälle, in denen die Kranken von langerHand anfangen, immer weniger und weniger zu essen, um