Druckschrift 
Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

Behandlung einzelner Symptome.

181

Decken, Matratzen aus starkem Segeltuch; die Entkleidungwird durch sehrauhenartige Verschlüsse der Kleidungsstückeund Schuhe verhindert, welche nur mit besonderen Schlüsselngeöffnet werden können. Bei sein - starker Zerstörungssuchtund grosser Körperkraft giebt es in vereinzelten Fällen keinanderes Auskunftsmittel, als den Kranken entkleidet miteiner reichlichen Menge Stroh, Seegras u. dergl. in einemwarmen Isolirzimmer frei schalten zu lassen; bei weiblichenPatienten wird man selbstverständlich nur im äusserstenNotlifalle zu dieser Maassregel greifen.

Eine höchst lästige Begleiterscheinung der psychischenErregung ist bisweilen die Unreinlichkeit und nament-lich das Herumschmieren mit den Exkrementen, weil darausgrosse hygienische Missstände hervorgehen. Häufige Ver-suche, den Kranken zur Befriedigung seiner Bedürfnissezu bewegen, sofortiges Eingreifen bei eingetretener Ver-unreinigung, reichliches Baden, sorgfältigste Reinigung derZimmer mit desinfieirenden Mitteln sind die hauptsächlichzu erfüllenden Aufgaben. Ein aufmerksames Wartpersonalkann hier sehr viel leisten. In schwierigen Fällen lässtsich durch passende Auswahl der Diät (möglichst wenigKotli gebende Nahrungsmittel, besonders keine Pflanzen-kost) und regelmässige entleerende Klystiere noch etwasausrichten.

Besondere Mühe hat man sich vielfach gegeben, dieMasturbation zu bekämpfen. Oft verschwindet dieselbemit der Abnahme der psychischen Erregung von selbst; inandern chronischen Fällen bleibt meist jede Behandlungerfolglos. Nicht ohne Werth ist die Anwendung des Brom-kalium, weil es die Betiexerregbarkeit herabsetzt; wichtigerbleibt indessen die diätetische Behandlung, Sorge für ruhigenSchlaf, Vermeidung müssiger Bettruhe, Regelung der Darm-funktionen, ausgiebige Bewegung im Freien bis zur Er-müdung, ferner kalte Waschungen, besonders Sitzbäder,eventuell Galvanisation des Rückenmarks und endlich eineaufmerksame, geduldige Pädagogik.

r Zum Schlüsse haben wir noch eines praktisch äusserstwichtigen Symptoms zu gedenken, dessen Behandlung nichtselten recht grosse Schwierigkeiten verursacht, der Nah-