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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Psychische Behandlung.

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immer wieder vom Arzte die pathologische Natur ihrerIdeen und Gefühle versichern zu lassen. Da gilt es denn,diesen schwachen Gemütheru den begonnenen Kampf mitder Krankheit zu erleichtern, die Energielosen durch dieAussicht auf kleine Belohnungen zur Arbeit anzuregen unddurch pädagogische Maassregeln den Aufgeregten die Selbst-beherrschung zu erleichtern. Geduld, liebevolles Eingehenauf die einzelne Persönlichkeit, Nachgiebigkeit ohne Schwächeauf der einen, gleichmässige Energie und Festigkeit ohneStarrheit auf der andern Seite geben hier die leitendenGesichtspunkte für die ärztliche Thätigkeit ab.

Die Gesammtheit aller körperlichen und psychischenHeilmittel findet sich zu einheitlichem Zusammenwirkenvereinigt in dem Organismus der Irrenanstalt. Die Irren-anstalt in ihrer heutigen Einrichtung ist eine Errungen-schaft der Neuzeit. Erst im Jahre 1793 nahm Pinel imBicetre den dort verwahrten Kranken die Ketten ab, inwelche sie Koliheit und Unkenntniss so lange geschmiedethatte. Noch in den ersten Decennien dieses Jahrhundertswurden die Irren in manchen Anstalten mit Hunger undPeitschenhieben gemisshaudelt. Der Aufschwung unsererWissenschaft brachte hier eine mächtige Umwälzung zuStande und liess an Stelle der Detentionshäuser, in denendie Kranken mit Verbrechern und Vagabunden zusammeneingesperrt waren, Heilanstalten erstehen, welche auch denunglücklichen Irren die Wohlthaten einer ärztlichen, aufdie Beseitigung ihres Leidens gerichteten Behand-lung zu vermitteln bestimmt waren.

Diese Aufgabe erfüllt die Anstalt, indem sie zunächstden Kranken mit einem Schlage der Einwirkung jenertäglichen Reize entzieht, wie sie nur allzuoft in seinemBerufsleben, in der Sorge für die Existenz, in der verfehltenund verständnisslosen Behandlung Seitens der Angehörigenund Freunde, ja in dem Spotte und den Neckereien einerrohen Umgebung auf ihn einstürmen. Er findet sichwieder in einem geordneten, vom Geiste der Humanitätund des Wohlwollens durchdrungenen Organismus, in demer theilnelimendes Verständniss für seinen Zustand, liebe-volle Fürsorge für seine Bedürfnisse und vor allen Dingen