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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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V. Allgemeine Therapie.

derartige Versuche resultatlos und können sogar durch dieErregung, in .die sie den Kranken versetzen, geradezuschädlich wirken. Allmählich indessen tauchen auch diefrüheren gesunden Gefühle und Ideenkreise wieder hervor,und es gilt daher, ihnen nach und nach das Uebergewichtüber den pathologisch veränderten Bewusstseinsinhalt zuverschaffen. Je nach der Individualität des Kranken ge-stalten sich dabei die Hülfsmittel und die Richtung dertherapeutischen Bestrebungen natürlich äusserst verschieden.

Vor Allem handelt es sich um die Airswahl einer pas-senden, wol anregenden, aber nicht anstrengenden Beschäf-tigung, da sie am meisten geeignet ist, die Gedanken desKranken von den Zuständen des eigenen Innern abzuziehenund ihm das Interesse für die Aussenwelt, für die gewohnteThätigkeit wiederzugewinnen. Unterhaltende Lektüre, dieLösung leichter geistiger Aufgaben, Spiele aller Art, Musik-übungen, andererseits körperliche Arbeit, die sich denfrüheren Beschäftigungen möglichst anpasst, Handwerkerei,Garten- und Feldarbeit, Leibesübungen, bei Weibern Nähen,Waschen, Kochen u. dergl. in mannigfachster Variation,dienen in gleicher Weise der Erfüllung des Behandlungs-zweckes. Damit können sich weiterhin Zerstreuungen, Be-suche, Spaziergänge, kleine Festlichkeiten in vortheilhafterWeise verbinden.

Nun ist auch der Zeitpunkt gekommen, an demman ausser diesen indirekten Mitteln der psychischen Ab-lenkung auch den Versuch machen kann, durch direkteEin'wirkung das Zurücktreten der krankhaften Störungenzu beschleunigen und die gesunden Elemente zu unter-stützen. Allerdings wird man auch jetzt durch logischeUeberredungskünste kaum mehr erreichen, als durch dasLeuretsclieIntimidations-System, welches jede krank-hafte Aeusserung durch die Douclie zu unterdrücken undso die Psychose zu heilen suchte. Wo die Fähigkeit einergesunden Kritik durch die Krankheit dauernd oder vor-übergehend aufgehoben ist, wird natürlich selbst die de-monstratio ad oculos machtlos, da sie ja eben an die Kritikappellirt. Allein es giebt Kranke, denen es in dieser Zeitein Bedürfhiss und eine Beruhigung ist, sich immer und