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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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Diagnose dev Geistesstörung.

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der Wissenschaft als Gradmesser für die Bestimmung desPathologischen fixirt haben. Das grosse, sicher noch vielzu wenig gekannte Gebiet klinischer Formen, mit dem wires hier zu thun haben, ist dasjenige des angeborenenSchwachsinnes. Die Erscheinungen desselben treten uns inallen Richtungen des psychischen Lebens entgegen, undwir müssen daher wenigstens einen kurzen Blick auf diesich darbietenden Grenzgebiete werfen, nicht sowol, um dievorhandenen Schwierigkeiten zu lösen, sondern um auf dieUnmöglichkeit einer durchgreifenden Lösung derselben hin-zuweisen. Von Seite der Intelligenz sind es zwei Formender Störung, welche wir als Typen der Schwäche ausein-anderhalten können, einmal die mangelnde intellektuelleLeistungsfähigkeit, dann aber die Kritiklosigkeit in Folgevon abnormer Ausbildung des Kombinationsvermögens, wiewir sie oben zu schildern Gelegenheit hatten. Als dasphysiologische Analogon der mangelnden Leistungsfähigkeit,die sich durch das Fehlen abstrakter Begriffe, Enge desGesichtskreises, Ideenarmutli, geringe Aktivität und Spon-taneität des Vorstellungsverlaufes charakterisirt, könnenwir jene Form der Dummheit betrachten, die man als Be-schränktheit bezeichnet. Die höchsten Grade der Be-schränktheit fallen aber mit den leichteren Fällen desSchwachsinnes unterschiedslos zusammen; es giebt keineinziges Merkmal, welches eine andere als graduelle Ab-trennung gestattete.

Mit dem zweiten klinischen Bilde des Schwachsinnesist die Gruppe der Phantasten (Mystiker) nahe verwandt.Beide zeichnen sich durch ein Ueberwuchern der Phantasieüber die Grenzen verstandesmässiger Ueberlegung, dieKritiklosigkeit gegenüber den Produkten ihrer intellek-tuellen Thätigkeit aus, Züge, die wir in dem erwähntenKrankheitsbilde, nur in schärferer Ausprägung, ebenfallswiederfinden, ohne dass sich hier prinzipielle Grenzenfixiren Hessen. Den Beispielen einseitiger Begabung beiSchwachsinnigen und Idioten lassen sich manche der sog.verkannten Genies an die Seite stellen, bei denen diemangelnde Harmonie der Gesammtanlage auch den hervor-ragenden Eigenschaften ihrer Persönlichkeit die freie und