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IV. Allgemeine Diagnostik.
bindung der verschiedenartigen Elementarstörungen. Wirhaben somit ein ausgedehntes Uebergangsgebiet zu ver-zeichnen, auf dem es sich lediglich um die Abschätzunggradueller Differenzen handelt, so dass es durchaus dem Be-lieben und dem Standpunkte des Beobachters überlassenbleibt, wie weit oder wie eng er die Grenze der Geistes-krankheit stecken will. Dies ist der Grund, warum sohäufig die Gutachten selbst hochstehender wissenschaftlicherAutoritäten bei der Beurtheilung des gegebenen Fallesvollständig auseinandergehen: die wissenschaftlichen Kri-terien versagen hier bisweilen völlig und lassen einzig demsubjektiven Ermessen die Entscheidung zufallen.
Verhältnissmässig leicht wird die Erkennung einerGeistesstörung dann, wenn es gelingt, den Nachweis zuführen, dass die verdächtigen Erscheinungen nicht vonjeher bestanden haben, sondern etwas Gewordenes sind.Zwar kommen ja auch im gesunden Leben Wandlungenvor, die bis in das innerste Wesen der Persönlichkeit ein-greifen, aber im Allgemeinen legt dennoch die Beobachtungeiner auffallenden Veränderung im Denken, Fühlen undHandeln des Individuums den Gedanken an eine krank-hafte Natur derselben sehr nahe. Zur Gewissheit wirddiese Vermuthung, wenn die hervortretenden Symptomesich‘widerspruchslos in eines der bekannten klini-schen Krankheitsbilder einordnen, und wenn viel-leicht auch ursächliche Momente sich auffinden lassen, welcheerfalirungsgemäss jene Gruppe von Störungen häufiger zuerzeugen pflegen. Genaue Erhebung der Anamnese, sorg-fältige Ausnutzung der früher besprochenen Untersuchungs-methoden und eine gewisse Zeit fortlaufender Beobachtungwird in solchen Fällen regelmässig zum Ziele führen.
Weit schwieriger jedoch gestaltet sich die Sachlage,sobald nicht über das Bestehen eines krankhaften Processes,sondern über das Vorhandensein eines krankhaften Zu-standes entschieden werden soll. Im ersten Falle waruns die Norm der Beurtheilung in dem Verhalten desKranken selber vor der eingetretenen Veränderung ge-geben; hier dagegen sind wir gänzlich auf die Abgrenzungnach den allgemeinen Begriffen angewiesen, die sich in