146 TU. Verlauf, Ausgänge und Dauer des Irreseins.
antworten, dass zwar nicht die Psychose, als eine reinsymptomatisch arrfgefasste Erscheinung, wol aber der Krank -heitsprocess tödten kann, dessen psychopathischen Ausdruckdie Geistesstörung darstellt; ähnlich betrachten wir ja nichtdie Albuminurie, sondern die interstitielle Nephritis, welcheihr zu Grunde liegt, als die Ursache eines gegebenen Todes-falles. Der wichtigste aller derartigen pathologischen Pro-cesse ist die diffuse, chronische, interstitielle Entzündungder Hirnrinde, welche die Grundlage der Dementia para-lytica bildet. Die fortschreitende Lähmung der nervösenCentralorgane ist es hier, welche entweder direkt, im para-lytischen Anfalle, oder indirekt, durch die Vermittlung vonDekubitus, Schluckpneumonien und dergl. den tödtliclienAusgang herbeiführt. Ferner können syphilitische Hirn-erkrankungen, Geschwülste, embolische Processe aus ver-schiedenen Ursachen, wie sie den Symptomenkomplex einerpsychischen Störung erzeugen, im weiteren Verlaufe demLeben ein mehr oder weniger jähes Ende bereiten.
Auf indirektem Wege wird der Tod durch die psy-chische Krankheit verursacht, wenn nicht die Gehirnaffek-tion, sondern einzelne Symptome der psychischen Störungselbst die Katastrophe heraufbeschwören. Vor Allem isthier die Neigung zum Selbstmorde zu nennen, wie siesich so häufig aus depressiven Wahnideen oder Gefühlenherausentwickelt. In ihr haben wir es mit einer äusserstverhängnissvollen und praktisch überaus wichtigen Er-scheinung des Irreseins zu thun, die hei schlechter Ueber-wachung zahlreiche Opfer fordert; geht doch aus der Sta-tistik hervor, dass etwa die Hälfte aller Selbstmorde über-haupt aus pathologischen Motiven zu entspringen pflegen!Näclistdem ist es die Sitophobie, dann die bis zur äusserstenErschöpfung andauernde Unruhe und Schlaflosigkeit man-cher Kranken, schwerer Verlauf chirurgischer Verletzungenwegen der Unmöglichkeit einer rationellen Behandlung,welche bisweilen als Todesursachen hei Geisteskranken auf-treten.
Endlich aber ist es eine sehr bemerkenswerthe That-saclie, dass auch die Ausbildung gewisser körperlicher Er-krankungen durch die psychische Störung begünstigt wird.