140 ITT. Verlauf, Ausgänge und Dauer des Irreseins.
Stellungen beeinträchtigt, dann haben wir das Recht, voneiner völligen Genesung des Rekonvalescenten zu sprechen,ein Ereigniss, welches in etwa 35—40 °/ 0 jener Erkrankungs-fälle zu verzeichnen ist, welche in die Anstaltsbehandlungkommen. Zur Würdigung dieser Zahlen ist zu beachten,dass einerseits viele chronisch verlaufende unheilbare Fälleniemals in die Irrenanstalten gelangen und dass anderer-seits zahlreiche leichte Erkrankungen ebenfalls in familiärerPflege ihren günstigen Ablauf finden.
Das wichtigste Kriterium der eingetretenen Genesungist ausser dem Schwinden der wahrnehmbaren Krankheits-symptome die Einsicht in die krankhafte Natur des über-standenen Leidens. Diese Einsicht ist es ja gerade, welcheuns die Garantie dafür bietet, dass der Rekonvalescent diepathologischen Veränderungen seines psychischen Lehensals etwas Fremdartiges empfindet, dass er mit anderenWorten auf den Boden der Beurtlieilung zurückgekehrt ist,auf dem er vor der Erkrankung, in gesunden Tagen stand.Mangel der Krankheitseinsicht deutet stets auf die Unmög-lichkeit einer kritischen Berichtigung des während derAlienation gesammelten Erfahrungsmateriales hin. Dieselbehat ihren Grund entweder in der Assimilation krankhafterElemente, welche den Standpunkt des Individuums gegen-über seiner Umgehung verrückt haben und seine psychi-schen Leistungen entscheidend beeinflussen, oder aber inder noch bestehenden Unfähigkeit zu durchgreifendem Ge-brauche des früher erworbenen kritischen Rüstzeugs, dessenHandhabung einerseits Ruhe und Gleichgewichtslage desGemiitlies, andererseits aber eine gewisse Anstrengung undgeistige Regsamkeit erfordert. Kein Kranker ist als wirk-lich genesen zu betrachten, der keine klare und volle Ein-sicht in seine Krankheit besitzt, während umgekehrt ganzwol ein Verständniss für die pathologische Natur derpsychischen Störung bestehen kann, ohne dass darum immerdie Heilung zu erwarten wäre. Ja, gerade in manchenFällen unheilbaren, tief in der ganzen Anlage des Indivi-duums wurzelnden Irreseins ist eine derartige Selbsterkennt-niss nicht selten vorhanden. Darum bleibt aber die Krank-heitseinsicht dennoch fast immer ein prognostisch sehr