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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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138 TII. Verlauf, Ausgänge und Dauer des Irreseins.

allerdings fast immer ein früher oder später erfolgendesFortschreiten des Grundleidens ein Ende zu machen pflegt.Während hei den periodischen Psychosen der regelmässigeWechsel der Perioden geradezu die charakteristische Eigen-thümliclikeit des ganzen Kranldieitsprocesses ausmacht, sindhier die Intermissionen oder richtiger Remissionen mehrzufällige Ereignisse, die von ganz unkontrolirharen, denGang des Leidens modificirenden Einflüssen abhängig sind.

Rekonvalescenz. Am häufigsten finden sich Schwan-kungen zum Bessern oder Schlimmem im Stadium desAbklingens heilbarer Psychosen; sie sind daher im Allge-meinen als ein prognostisch günstiges Zeichen anzusehen.Allerdings kommt auch, besonders hei den sehr rasch ent-standenen und sehr kurz dauernden Geistesstörungen (alko-holische, epileptische Aufregungen, Fieberdelirien und ähn-liche) ein fast plötzliches Verschwinden des ganzen Sym-ptomenkomplexes vor, z. B. nach einem tiefen Schlafe; inder Regel jedoch geschieht die Abnahme einer psychischenStörung ganz allmählich, durch Lyse, in vereinzeltenFällen unter dem günstigen Einflüsse einer akuten Krank-heit (Intermittens). Zuerst verlieren sich, wo sie vorhandenwaren, die Zeichen der gemüthlichen Erregung: der Tob-süchtige wird ruhiger, der Melancholiker freier; oder aberes stellen sich, wie. beim Stupor und dem akuten Schwach-sinn, die ersten Symptome einer wieder erwachenden Re-aktion, einer Theilnahme an der Aussemvelt ein. Anfangsbesteht diese Besserung vielleicht nur für ganz kurze Zeit,Tage oder Stunden, um einem abermaligen Hervortretender Krankheitserscheinungen bald wieder zu weichen. Nachund nach aber werden die Remissionen ausgiebiger und ge-winnen längere Dauer; die Exacerbationen verlieren an In-tensität, bis schliesslich nur noch leichte Verschlimmerungenhei besonderen Anlässen den fortschreitenden Gang derRekonvalescenz unterbrechen.

Am längsten pflegt sich von den Krankheitssymptomendie Labilität des gemüthlichen Gleichgewichts, dieleichte Erregbarkeit "ür. depressivem oder exaltativem Sinne zuerhalten, auch wenn die intellektuellen Störungen sich schonlängere Zeit gänzlich ausgeglichen hatten. So spiegelt sich