136 III. Verlauf, Ausgänge und Dauer des Irreseins.
komplexe betheiligt ist, da gerade den Gefühlen eine grosseNeigung zu gegensätzlichen Schwankungen eigen zu seinpflegt. Bei vorwiegend intellektuellen Störungen wird einderartiger Wechsel im Krankheitshilde seltener beobachtet.Die Remissionen und Intermissionen schliessen sich häufigmit einer gewissen Regelmässigkeit an den Ablauf bestimmterphysiologischer Funktionen, des Schlafes, der Menstruation,der Nahrungsaufnahme u. dergl. an. So sind Melancholikersehr häufig in den Morgenstunden stärker deprimirt, alsgegen Abend. Vereinzelt trifft man aber auch einen förm-lich alte mir en de n Verlauf an, so dass die Kranken inregelmässigem Wechsel einen guten und einen schlechten(d. li. deprimirten) Tag haben. Weit seltener sind dieBeobachtungen von sog. „doppeltem Bewusstsein“, in deneneine förmliche Verdoppelung der Persönlichkeit stattfindet.Die Kranken bieten hier in abwechselnden Perioden ihrerPsychose nicht nur gänzlich verschiedene Zustände dar,sondern sie bewahren auch die Erinnerung jeweils immernur für den gleichartigen Zustand, wie jener Packträger,der sich in der Betrunkenheit an dasjenige erinnerte, waser in früheren Räuschen gethaii hatte, während ihm innüchternen Zeiten diese Erinnerung, vollkommen fehlte.
Sehr begreiflich ist der intermittirende Verlauf einerPsychose, wo neue Anfälle auf Grund einer vorhandenenPrädisposition immer durch neue Gelegenlieitsursachen her-vorgerufen werden, wie namentlich die alkoholischen Auf-regungsparoxysmen in Folge von wiederholten Excessen.Bei den epileptischen Bewusstseinsstörungen beruht dasintermittirende Auftreten in der eigenthümlichen Periodi-cität der vasomotorischen Revolutionen des Grundleidens;die den Fiebert,ypus nachalnnenden und an seiner Stelleeinsetzenden Psychosen in Folge von Malariavergiftuugsind in ähnlicher Weise an die regelmässige Wiederkehrder ursächlichen krankmachenden Veränderungen gebunden.Das Individuum ist hier jedoch während der freien Zwischen-zeiten nicht als gesund zu betrachten, sondern die Krauk-heitserscheinungen sind nur zurückgetreten. Die psychischeDegeneration der Trinker und Epileptiker, die Labilitätihres inneren Gleichgewichtes bildet srewissermassen ebenso