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I. Allgemeine Aetiologie.
bietet. Andererseits aber fahrt auch die Ueberanstrengungdes jugendlichen Gehirns schwere Schädlichkeiten mit sich,indem sie dasselbe frühzeitig erschöpft und damit die volleAusbildung desselben unmöglich macht. Behinderung derfreien individuellen Entwicklung durch rigorose Strenge undPedanterie macht den Menschen engherzig und verschlossenund erstickt im Keime jene gemütlilichen Regungen desWohlwollens und der Humanität, von deren Intensität vorAllem die sittliche Ausbildung des Charakters abhängig ist.Verzärtelung endlich durch weichliche Nachgiebigkeit lässtdie momentanen Launen und Begierden zur unbezwinglichenHerrschaft über das Handeln gelangen und verhindert da-durch die Entwicklung eines abgeschlossenen und konse-quenten, fest in sich seihst gegründeten Charakters.
Den Einflüssen der Erziehung schliessen sich diejenigender späteren Lebenserfahrungen an, bald korrigirend und ver-edelnd, bald zerrüttend und depravirend, was jene schuf. Alledie schon früher aufgezählten somatischen und psychischenKausalmomente, Traumen, Krankheiten und Vergiftungen allerArt, Ueberanstrengungen, Gemütbsbewegungen, Excesse u. s. f.,können hier, soweit sie nicht eine direkte psychische Er-krankung herbeiführen, modificirend und prädisponirend aufdas Individuum einwirken.
Grundlage der Prädisposition. Es entsteht nunschliesslich die Frage, welcher Art denn eigentlich jenebisher immer nur ganz allgemein bezeichneten Zustands-veränderungen sind, deren Gesammtheit wir unter demNamen der „Prädisposition“ zu psychischen Erkrankungenzusammengefasst haben. Leider ist es heute noch nichtmöglich, tiefer in den Mechanismus dieser eigenthümliclienErscheinungen einzudringen; nur so viel können wir mit Be-stimmtheit sagen, dass das Wesen der Prädisposition in einerbesonderen Art der Reaktion auf die Lebensreize gelegenist, die wir vielleicht ganz allgemein als eine Herabsetzungder Widerstandsfähigkeit des Organismus bezeichnen können.Jede äussere Einwirkung hat hier eine erheblichere Gleich-gewichtsschwankung zur Folge, als unter normalen Verhält-nissen, so dass Schädlichkeiten, die beim rüstigen Individuumohne Weiteres ausgeglichen werden, auf prädisponirtem