Erblichkeit.
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Wie die Erfahrung lehrt, kann die Erblichkeit entwedereine direkte, von den Eltern ausgehende, oder eine in-direkte sein. Im letzteren Falle lässt sich wieder die ata-vistische, von den Grosseltern hergeleitete, und die colla-terale unterscheiden, die sich auf psychopathische Zuständein einer Seitenlinie (Onkel, Grosstante, Vetter u. s. f.) .zurück-bezieht. Am intensivsten wirkt sicherlich die direkte Here-dität, namentlich wenn beide Eltern (cumulative Ver-erbung) und wenn sie schon bei der Zeugung des Kindesgeisteskrank waren. Auf die weiblichen Familiengliederscheint die Vererbung leichter zu geschehen, als auf männ-liche; die Frage, ob der väterliche oder der mütterlicheEinfluss nach dieser Richtung hin höher anzuschlagen sei,ist in verschiedenem Sinne beantwortet worden.
Die Wirkung der Erblichkeit bietet je nach ihrer In-tensität gewisse symptomatische Differenzen dar. Wo diehereditären Einflüsse sich häufen, wie das namentlich durchVerwandtschaftsheirathen in neuropathisch disponirten Fami-lien der Fall zu sein scheint, da entsteht eine „organischeBelastung“, da treten bei der Descendenz die schwererenFormen psychischer Entartung hervor. Morel giebt fürdiese progressive erbliche Degeneration das folgende all-gemeine Schema: 1. Generation: nervöses Temperament, sitt-liche Depravation, Excesse. 2. Generation: Neigung zuApoplexien und schweren Neurosen, Alkoholismus. 3. Gene-ration: psychische Störungen, Selbstmord, intellektuelle Un-fähigkeit. 4. Generation: angeborene Blödsinnsformen, Miss-bildungen, Entwicklungshemmungen. Es führt also dieseArt der Züchtung von selbst mit Nothwendigkeit den Unter-gang des degenerirten Geschlechtes herbei. Ein anderes Bildder Entwicklung bietet sich uns dort, wo durch Vermischungmit gesundem Blute die Entartung hintangehalten wird. Hiersind es nicht eigentlich pathologische Zustände mehr, die ver-erbt werden, sondern lediglich Dispositionen, eine grössereLabilität des psychischen Gleichgewichts, eine geringereWiderstandsfähigkeit des psychischen Organismus, die erstdann zur Erkrankung führen, wenn ungünstige Einflüsseauf dem Boden der hereditären Anlage ihre verderblicheWirksamkeit entfalten. Unter solchen Umständen pflegt