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Compendium der Psychiatrie : zum Gebrauche für Studirende und Aerzte
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I. Allgemeine Aetiologie.

oder weniger ausgesprochene Stumpfheit ist es, welche denGreis im Allgemeinen weniger empfänglich gegen psychischeSchädlichkeiten macht und ihn vor excessiven Schwankungendes gemüthlichen Gleichgewichtes hewalirt. Zudem ist diesesLebensalter ja gewissermassen bereitsdurchseucht; diegrosse Mehrzahl der psychischen Invaliden - sind bereitsfrüher den verderblichen Einflüssen krankmachender Mo-mente unterlegen. Andererseits hat nicht selten die auf-reibende Arbeit des Lebens hier eine neue, erworbene Prä-disposition geschaffen, indem sie die Widerstandsfähigkeitdes verbrauchten, auch körperlich erschöjiften Individuumsuntergraben hat. Von Wichtigkeit sind nach dieser Richtunghin namentlich auch die somatischen Veränderungen,welche sich in dieser Periode vollziehen, das Klimakteriumder Frauen, die Atlieromatose der Gefässe, die Involutions-vorgänge im Nervensysteme und in den verschiedenstenOrganen. Wenn daher auch einerseits die psychische Em-pfänglichkeit beim Greise abgenommen hat und andererseitsdie meisten jener Krankheitsursachen, welche die kräftigenLebensalter bedrohen, hier wegzufallen jrflegen, so birgtdoch schon der normale Gang der Ereignisse eine Eeilievon Gefahren für die psychische Integrität des Individuumsin sich, denen bis zu einem gewissen Grade ein Jeder unter-liegen muss. Der gemeinsame Grundzug aller senilen Psy-chosen ist die Schwäclie, die Unzulänglichkeit der psychi-schen Leistungen. Abnahme des Gedächtnisses, Unfähigkeitzu intellektueller Erfassung und Verarbeitung neuer Ein-drücke, Verwirrtheit und Zerfahrenheit, Oberflächlichkeitder Affekte, läppisches, kindisches Gebahren, dabei Neigungzu rascher Verblödung sind die hervorstechendsten Zügeder hierher gehörigen Krankheitsbilder. Bemerkenswerthist dabei die Häufigkeit von Gehirnsymptomen, Schwindel,apoplektiformen Anfällen, konvulsiven und Lähmungserschei-nungen.

Geschlecht. Die Frage nach der Disposition derbeiden Geschlechter zu psychischer Erkrankung ist aufGrund statistischer Erhebungen vielfach verschieden beant-wortet worden. Ohne weiteres Eingehen auf die Würdigungder Fehlerquellen jener Methode sei hier nur bemerkt, dass