Psychiatrische Forschungsmethoden. H
Erkrankungen jede erhebliche Veränderung in der Ernäh-rung auch mit einer Wandlung des psychischen Verhaltensparallel zu gehen pflegt, so dass sich mithin aus den ein-fachen Resultaten der Ivörperwägung häufig genug bedeut-same prognostische und auch therapeutische Gesichtspunkteentnehmen lassen.
Den gemeinsamen Angriffspunkt aller der bis hierheraufgeführten Forschungsmethoden und Hülfswissenschaften,auf deren Ergebnisse im Einzelnen wir später näher einzu-gehen haben werden, bilden die körperlichen Grundlagendes Seelenlebens. Dem gegenüber giebt es für das Studiumder psychischen Störungen selbst im Allgemeinen dreiWege. Einmal hat man versucht, dem Verständnisse derGeisteskrankheiten durch die Betrachtung gewisser ana-loger Zustände des normalen Menschen näher zukommen, welche der individuellen Erfahrung leichter zu-gänglich sind und somit die krankhaften psychischen Ver-änderungen nicht als etwas absolut Heterogenes und Unbe-greifliches, sondern nur als Steigerung und pathologischeAusbildung leichterer Bewusstseinsalterationen erscheinenlassen, die man sich als im Bereiche des Normalen liegendanzusehen gewöhnt hat. Hierher gehört vor Allem derTraum, der sehr vielfach nach dieser Richtung hin aus-genutzt worden ist, ferner gewisse sehr lebhafte Affekte, so-dann der Rausch und endlich in neuester Zeit auch die „ex-perimentelle Geistesstörung“ des Hypnotismus. Der Vor-theil derartiger Studien liegt in der Möglichkeit, umfassendeGesichtspunkte für das Verständniss einzelner überall wieder-kehrender Grundzüge der aufgeführten Alterationszuständeaufzufinden; die Gefahr derselben wird durch die Ver-suchung zu weit gehender Analogisirung repräsentirt. Inganz ähnlicher Weise hat man auch bisweilen*) den Ver-such gemacht, gewisse völkerpsychologische That-sachen zur Aufklärung einzelner psychopathischer Sym-ptome heranzuziehen, in der gewiss nicht unberechtigtenVoraussetzung, dass manche dieser letzteren aus den gleichen
*) Emminghaus, Allgem. Psychopathologie p. 43 sq.