Psychiatrische Forselrangsmefhoden.
5
Differenzen in den Funktionen der anatomisch von einanderabweichenden Theile wahrscheinlich macht. Ein entschiedenaussichtsreiches, aber bisher wegen der grossen Schwierig-keiten noch wenig kultivirtes Gebiet der anatomischenForschung dürfte sich ferner durch ein genaueres Studiumder mikrochemischen Eeaktionen eröffnen. Gerade dieFiirbungsmethoden sind vielleicht berufen, uns durch dieAufhellung feinerer chemischer Differenzen der verschiede-nen Fasersysteme und Zellenkomplexe zu einem Eindringenin das Yerständniss ihrer physiologischen Zusammenhängeund Eigenthümlichkeiten zu verhelfen.
Die geringe Sicherheit in der Deutung anatomischerThatsachen ist es, welche auch den Werth pathologischerBefunde wesentlich beeinträchtigt, andererseits aber geradedie Herbeiziehung derselben zur Gewinnung neuer Gesichts-punkte dringend wünsclienswerth macht. In der Tliat hatdie Gunst gelegentlicher pathologisch-anatomischer Beobach-tungen der Hirnanatomie schon oftmals wichtige Dienstegeleistet. Namentlich sind es die sekundären Atrophien imAnschlüsse an Herderkrankungen gewesen, welche einetiefere Einsicht in den anatomisch-physiologischen Zusammen-hang der einzelnen Hirn theile ermöglichten. Die patho-logische Histologie der Hirnrinde hat uns ferner eineEeihe von krankhaften Veränderungen dieses wichtigstenOrganes kennen gelehrt, die zum Tlieil mit gewissen kli-nisch umgrenzbaren psychischen Krankheitsbildern parallelzu laufen scheinen. Hier sind wichtige Anfänge eines aus-sichtsreichen Forschungsgebietes gegeben; was uns jedochnoch fehlt, das sind einerseits präzise Kriterien desjenigen,was hier wirklich krankhaft, nicht normal und nicht Kunst-produkt ist, dann aber — eine freilich schwer erfüllbareForderung— die Herstellung einer verständlichen Beziehungder gefundenen anatomischen Veränderungen zu den Stö-rungen der psychischen Funktionen. Diese letztere Forderungist natürlich ihrer Verwirklichung noch viel ferner hinsicht-lich derjenigen Befunde, welche sich gar nicht auf die Hirn-rinde, sondern auf die Hüllen des Gehirnes beziehen.Im Allgemeinen kann gewiss derartigen Veränderungen,soweit sie nicht eine Erhöhung des intrakraniellen Druckes,