295 Sternkunde bey den Akademikern.
Sonnenbild dem Auge'verdecken konnte: und da sahman, daß in dieser Lage zuweilen ein Heller Rand umden Teller herum hervorragte und daß die Sonne zu an-dcrn Zeiten ganz bedeckt wurde; man sah, daß im Som-mer ein Teller, der etwa eilfZoll im Durchmesser hielt,das Sonnenbild, in angeführter Entfernung von demAuge, ganzzudeckre: im Winter wurde hierzu beynaheein zwölfzolliger Teller erfordert; auf eine ähnlicheArt bemerkten sie auch diesen Umstand bey dem schein-baren Durchmesser des Monds: und bey den meistenübriqen Planeten konnten sie diese Abänderung dem Au-genscheine nach wahrnehmen. Was diesen Umstand beyder Sonne anbetrifft: so wurden sie auch durch die Be-merkung, daß die centralen Sonnenfinsternisse nur zu ge-wissen Zeiten einen Hellen Sonnenrand um den Mondherum frey lassen, überzeugt. Aber da Aristotelesnun einmal das Eudoxische Weltsystem angenommen hat-te: so wollte er itzt seine Meynung- nicht ändern undglaubte: jeder Planet müßte wegen jener koncentrischenHimmel stets gleichweit von der Erde abstehen.
Uebrigenö hatte man auch in den damaligen Zeitenbemerkt, daß die Venus bey heitern Abenden, diekein Mondenschcin bedämmerke, einen ordentlichen Schat-ten, wie der Mond, an den Sonnenuhren bildete.*
Hieraus erhellet nun sattsam, daß die Sternkundedamals gute Progressen gemacht hatte. Vielleicht hatteplaco die Philosophen durch seine scharfsinnigen Spe-kulationen hierzu aufgemuntert. Denn vorher glaubteman, die astronomischen Kenntnisse wären in der specu-lativen Philosophie von keinem Nutzen.
§. ,l.
Wenn Aristoteles die Lehrender Pythagoräer, wes.che die Kometen für Planeten hielten, anführte: so war
seine
* Oe coelo. O II. Lomm. 46.